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(c) Dario Damiano

Projekte

Please let me be your project:

Textkonzerte, Double- und Triple-Features, experimentelle Führungen – eine kleine Übersicht von Projekten, die derzeit am CfL entstehen.

VOR DEM FEST: GEGEN DIE WELT

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(c) Lennart Lofink

Zwei Romane in einem Abend: Saša Stanišićs Vor dem Fest und Jan Brandts Gegen die Welt. Im Double Feature werden die beiden Schriftsteller zu Performern ihrer eigenen Texte. Schützenfesthilfe kommt von drei weiteren Künstler*innen: der Bühnenbildnerin Philine Rinnert, dem Video Artist Ian Purnell, dem Musiker Tim Gorinski. Und vom Münsteraner Chor Die Untertanen! Gemeinsam machen sie Hülshoff zu begehbaren Versionen der beiden Romane.

Im ersten Teil des Doppelabends porträtiert Jan Brandt den Protagonisten seines Romans, Daniel Kuper, selbst, der zwischen die Fronten von Nazis und Aliens gerät. Gegen die Welt schildert die Rebellion Kupers gegen eine Dorfgemeinschaft in Ostfriesland unter Rückgriff auf Fantasy- und Science Fiction-Motive und Heavy Metal. Ian Purnell und Tim Gorinski bauen Brandt und seine Hauptfigur in ein multimediales Setting ein: Zwischen Filmbildern und Hörspiel erfahren wir die geballten Machtstrukturen eines westdeutschen Dorfes in den frühen 90ern.

Der zweite Teil des Abends gehört Vor dem Fest: Saša Stanišić liest selbst den Chor der brandenburgischen Dorfgemeinschaft, aus dessen Perspektive sein Roman erzählt ist. Durch historische Tiefen, Sprachen, Ankedoten bohrt sich sein polyphones „Wir“ – unterstützt durch den Gesang der Untertanen. Es wird gegessen, getrunken, gelauscht. Und der Raum drumherum – von Philine Rinnert mit leichten Eingriffen verändert – tut sein übriges, um uns zu einer Dorfgemeinschaft werden zu lassen.

In VOR DEM FEST: GEGEN DIE WELT vermessen die Autoren und ihre künstlerischen Kolleg*innen das Dorf – zwischen Text, Bild, Musik und Raum, zwischen Stranger Things in Ostfriesland und barocken Legenden in Brandenburg.

VOR DEM FEST: GEGEN DIE WELT ist eine Produktion von Burg Hülshoff – Center for Literature, in Kooperation mit der Filmwerkstatt Münster und dem Chor Die Untertanen.


Dark Light Dark

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(c) Lennart Lofink

Olivia Wenzel, Autorin, und Julia Lerch-Zajączkowska, Kuratorin, nehmen uns mit auf eine performative Tour. Anlass ist ein Gemälde im Gartensaal: Ein dunkelhäutiger Mann mit Turban führt ein Pferd, im Hintergrund sind Pyramiden zu sehen.

Was verrät dieses Bild über die Art, wie im 19. Jahrhundert die Bewohner*innen auf Hülshoff die Welt imaginierten? Inwieweit waren diese Phantasien Teil eines kolonialistischen Europas? Haben solche und ähnliche Bilder zur visuellen Vorbereitung rassistischer Weltsichten beigetragen? Oder waren sie ihr Resultat? Und hat das irgendetwas mit Annette zu tun? Wo ist denn bloß Annette?

Wenzel und Lerch-Zajączkowska schlüpfen in die gigantischen Pantoffeln Hülshoff’scher Vergangenheiten und streifen darin durch ihre museale Gegenwart. Exotische Deosprays und geheime Abstellkammern, verschimmelte Äpfel und mysteriöse Teppichmuster rücken in den Blick. Objekte und Erzählungen, die bisher unsichtbar, aber immer anwesend waren, kommen ans Licht.

Humorvoll und im Bewusstsein, dass Erinnern immer auch Erfinden bedeutet, führen Wenzel und Lerch-Zajączkowska durch eine Dauerausstellung, die schon sehr lange dauert. Und erforschen dabei, was Museum hier eigentlich heißt.

Dark Light Dark ist eine Produktion von Burg Hülshoff – Center for Literature. Die Konzeption wurde gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW.


Queeres Land/Queer Country

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(c) Lennart Lofink

Ein performativer Streifzug durch den Burgpark von Hülshoff: kleine Vorträge, Kopfhörergeschichten, Tee-Zeremonien, Meditationen, Führungen durchs Gehölz und ein Konzert auf der Nacktliegewiese.

Und alle drehen sich um eins: Ist queeres Begehren auf dem Land anders als in der Stadt? Was weiß das Land über die tausend anderen Geschlechter neben Mann und Frau? Finden diese Geschichten einen Platz im kollektiven Gedächtnis? Und wer könnte sie schreiben?

Lasst uns cruisen im Wäldchen, unserem Burghain. Begeben wir uns in die groben Hände der sanften Cruising-Guides Thomas Bartling und David Kilinç. Auf dem Weg: Miniaturen aus Text. Von Jean Genet, über Hubert Fichte bis zu Ronya Othmann, Daniel Sauermilch und Tucké Royale, mit Kopfhörerspuren von Micha Kranixfeld.

Wem gehört das Land?

Queeres Land/Queer Country ist eine Produktion von Burg Hülshoff – Center for Literature.


Ecotopia

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(c) Lennart Lofink

Ecoptopia ist Installation, Text-Performance und Musik-Show zugleich.

Worum geht es? Um Ökologie. Und darum, wie sie nur möglich wurde durch eine lange, dunkle Geschichte: die des Kolonialismus. Denn als die Briten ihre Kolonien in verschiedenen afrikanischen Staaten errichteten, war die Botanik ihnen ein willkommenes Mittel zur Eroberung. Sümpfe wurden trockengelegt, die Vorstellungen der Indigenen von Natur ignoriert, ihre Lebensweisen zerstört, ganze Stämme ermordet.

Time to make some noise.

Senthuran Varatharajah, Schriftsteller, und die Band RÁN schreiben und komponieren eine düstere Rock’n’Roll-Kolonialmesse. Zelebrieren wir den Kolonialismus nicht. Stellen wir ihn aus und machen ihn so erkennbar.

Auf dem Boden gerinnen Melodien der Musik zu Grenzlinien. Zwischen Betonsäulen versteckt: ein Garten. Und in ihm ein Haufen wimmelnder Fragen:

Wie hängen Rassismus und Sprechen über „Natur“ zusammen? Wie hat Ökologie das globale Nord-Süd-Gefälle (mit) hervorgebracht? Wie setzt sich dies heute, in den Bauprojekten der Moderne fort? Und: Können wir noch eine (gerechte) Zukunft für diesen Planeten zu entwerfen?

Ecotopia ist Teil von Anbauen! Anbauen! wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und die Kunststiftung NRW. Das Projekt ist Teil des Jubiläumsprogramms 100 jahre bauhaus im westen des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, des LWL und des LVR.


Archäologischer Park

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(c) Anton K. Krause/Fabian Raith

Bevor Burg Hülshoff ab Ende 2019 umgebaut wird, muss der Boden noch archäologisch untersucht werden. Eine gute Gelegenheit, um auch performativ in die Tiefe zu gehen:

Was bedeutet Archäologie, wie berührt sie unsere Leben? Ist die Vergangenheit im Museum, die sich aus Ausgrabungen speist, eine, die tatsächlich stattgefunden hat – oder ist sie erfunden? Und wie halten wir es mit der jüngsten Vergangenheit?

Der erste Teil des Triple Features gräbt im Theater im Pumpenhaus. Hier breitet die Gruppe vorschlag:hammer in Die Ausgrabung die großen archäologischen Themen aus. Eine Performance über Ausgraben und Ausstellen. Über das Museum als Welt und die Welt als Museum. Und über die Frage, was von uns eigentlich bleibt, und ob das, was bleibt, auch erzählt, wer wir waren.

Auf Burg Hülshoff finden die anderen beiden Teile statt: In einem Audiowalk erkundet das Publikum das Gelände der Burg. Unter Funkkopfhörern lauschen alle einem der berühmtesten Droste-Texte: Die Mergelgrube. Vier Stimmen lesen den Text nicht nur, sie klopfen ihn ab, schlagen Stücke heraus, um die Schichten darunter zu sehen, wollen auf den Grund.

Und eine begehbare Textplastik gibt es auch noch, in der Villa Schonebeck aus den 1920er-Jahren. Lisa Danulat, die Dramatikerin, entschichtet: Arcanum – 20 DM. Die Villa wird zum Museum für Erinnerungen – und dieses Museum wird ausgeräumt, Objekt für Objekt. Das Publikum kann Dinge sehen, die es dort nie gab oder geben wird. Denn Anton Kurt Krause und Fabian Raith machen mit Hilfe von Augmented Reality Unsichtbares sichtbar.

Archäologischer Park ist ein Projekt von Burg Hülshoff – Center for Literature in Koproduktion mit dem Theater im Pumpenhaus Münster und der LWL-Archäologie für Westfalen, gefördert im Programm »Regionale Kulturpolitik« durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW. In Kooperation mit dem Studiengang Spiel und Objekt der Hochschule Ernst Busch Berlin, dem Westfälischen Literaturarchiv im LWL-Archivamt für Westfalen und der LWL-Literaturkommission für Westfalen.