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Denkfabrik

In einer andersartigen Konferenz, einer Denkfabrik, kommen Menschen aus Kunst, Wissenschaft und Studierende zusammen. Texte, Performance, Film. Und Diskussion!

In den Jahren 2019 und 2020 etablierte das CfL die Denkfabrik als jährliches Format. Künstler*innen, Kurator*innen, Forscher*innen und Publikum kommen zusammen und diskutieren entlang von Inputs große Themen der Gegenwart, dazwischen gibt es performative Programme, von Lesung über Installation und Screening bis Konzert. Wissen wird mit Worten und auf anderen sinnlichen Ebenen getauscht.
Im ersten Jahr standen unter dem Titel To belong or not to belong? Fragen der Zugehörigkeit im Vordergrund. 2020 beschäftigten sich die Teilnehmenden in Politik und Gefühl mit kollektiven Gefühlen (Wut, Trauer und Scham) und – vor dem Hintergrund der Ausbeutung von Emotionen durch Rechtspopulisten weltweit – Strategien der Kunst im Umgang mit solchen öffentlichen Affekten. 2021 ist der Titel Phantom Homeland.


2019: To belong or not to belong

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Nástio Mosquito © Sabrina Richmann

In ihrer Schrift Jetzt schreibt das französische Kollektiv Unsichtbares Komitee mit Bezug auf die aktuellen nationalistischen Bestrebungen:

Überall verspricht man also, die verlorene Einheit gewaltsam wiederherzustellen. Nur, je mehr man »spaltet« und gleichzeitig über das »Zugehörigkeitsgefühl« schwadroniert, desto mehr breitet sich die Gewissheit aus, bei all dem nicht dazuzugehören.

Also:

To belong or not to belong?

Unter diesem Titel sprechen wir. Über die Rolle(n) von Kunst und die Verantwortung der Zivilgesellschaft angesichts globaler Migrationsbewegungen und neuer Mauern. Darüber, wieso manche dazugehören sollen und andere nicht.

Doch was heißt Zugehörigkeit überhaupt? Und wieviele Worte gibt es für Migration? Migrieren Menschen der zweiten oder dritten Generation auch noch? Sind Stadt- oder Landflucht auch Wanderungen? Welche Ängste und Hoffnungen sind mit beiden verbunden? Wie kann Sprache wandern, anstatt Mauern zu akzeptieren – oder gar zu ziehen? Muss zeitgenössische Kunst auf gesamtgesellschaftliche und weltpolitische Entwicklungen überhaupt reagieren? Oder sollte sie sich lieber auf beispielhafte Alltagsphänomene, auf private Erfahrungshorizonte konzentrieren?

Die literarische Denkfabrik ermöglicht ein offenes Gespräch – in Diskussionspanels und Arbeitsgruppen. Impulsvorträge, Lesungen, Installation und Textkonzert bringen weiteren Input.

To belong or not to belong? lädt alle ein, mit zu sprechen und nachzudenken. Es werden Positionen formuliert: gemeinsame wie gegensätzliche. Die Denkfabrik will Dinge klären. Aber nicht final und eindeutig, sondern so temporär und vielschichtig, so lustvoll und spielerisch wie nur möglich.

A conference that asks: Why some belong and others do not? Nearly 30 artists working in the field of literature and other genres discuss this topic with each other and the audience. They will discuss the role of art in light of global migration movements and new walls. They will discuss the idea of responsibility within civil society. And they will discuss the nature and means through which language has always migrated.

To belong or not to belong? wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.

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Beteiligte Künstler*innen

Max Czollek, Afsane Ehsandar, Bernadette La Hengst, Fabian Lettow (kainkollektiv), Thomas Köck, Maria Milisavljevic, Nástio Mosquito, Özlem Özgül Dündar, Sandra Richter, Ivana Sajko, Miroslava Svolikova, Gerhild Steinbuch, Bernhard Studlar und dem Kollektiv foundintranslation.


2020: Politik und Gefühl

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Jörg Albrecht © Lennart Lofink

Wie sind Politik und Gefühl heute verbunden? In einer andersartigen Konferenz, einer Denkfabrik, kommen Menschen aus Kunst, Wissenschaft und Studierende zusammen. Texte, Performance, Film. Und Diskussion!

Die Debatten in den Medien, aber auch in den Straßen und den Parlamenten sind aufgeheizt wie lange nicht. Gefühle scheinen die Politik auf einmal wieder vermehrt zu bestimmen.

Was ist geschehen, dass die Tendenz, auch in größeren Gruppen »mit der Faust auf den Tisch zu hauen«, wieder so groß wurde? Wo waren diese Gefühle zuvor? Unterdrückt? Oder für eine Weile verschwunden (durch Yoga, Meditation und Konsum)? Inwieweit spielen Strategien öffentlicher Beschämung eine (neue) Rolle? Können sie nur als Demütigung erfolgen – oder auch produktiv werden, wenn sie uns auf die moralische Verantwortung aller (vor allem der Mächtigen) hinweisen? Und, nicht zuletzt: Wieso ist die Wut so viel lauter als Trauer? Wie könnte Trauer in der Öffentlichkeit (wieder) zugelassen und ritualisiert werden? Wie könnte aus scheinbarer Hilflosigkeit Empowerment werden?

Über all das denkt unsere Denkfabrik nach: Politik & Gefühl. Künstler*innen aus Literatur, Musik, Film, Theater kommen mit Forscher*innen, Studierenden zweier Kunsthochschulen und mit dem Publikum zusammen.
In Lectures, Perfomances, Konzert und Film kommen wir den Fragen näher. Vielleicht auch möglichen Antworten.- aufgrund der Pandemie als Online-Event.

Fragt. Antwortet. Streicht die Antworten durch. Mit uns.

Politics & Sentiment is a three-day-think tank and brings together writers and colleagues from other artistic disciplines (music, film, theater) as well as from academia. Their inputs, performances and discussions revolve around collective emotions and their political potential: rage – shame – mourning – powerlessness. What has happened in the last five years to cause the tendency to »put one’s foot down« in larger groups to increase so much? To what extent do strategies of public shaming play a role? Can they only serve as humiliation - or can it also be productive when moral responsibility becomes the focus? How can mourning in public be allowed (again) and ritualized? How can we overcome a lack of power by strategies of self-empowerment? What artistic tools are available to make collective emotions representable?

Politik & Gefühl wird präsentiert von Burg Hülshoff – Center for Literature und brut Wien und gefördert durch den Deutschen Literaturfonds e.V.


In Kooperation mit der Kölner Kunsthochschule für Medien (KHM), dem Institut für Sprachkunst der Universität für angewandte Kunst Wien und Literaturhaus Wien.
Die Kooperation mit der KHM wird gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW.



Konzeption Wien: brut & Gerhild Steinbuch
Konzeption Münster: Burg Hülshoff – Center for Literature

Beteiligte Künstler*innen

Cana Bilir-Meier, Yannic Han Biao Federer, Esther Dischereit, Marie Golüke, Kübra Gümüşay, Alice Hasters, Gabu Heindl, Susanne Heinrich, İpek İpekçioğlu, Alexander Karschnia, Enis Maci, Barbara Morgenstern, Boris Nikitin, Andreas Peham, Jean Peters, Kathrin Röggla, Pascal Richmann, Stefanie Sargnagel, Squalloscope, TanzPoeten, Daniel Tyradellis, Vina Yun, YOU ARE GROUP, Studierende der Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst Wien (Anahit Bagradjans, Laurine Irmer, Laura Kunz, Max Andratsch, Laurenz Rogi, Laura Bärtle, Hannah Bründl, Anouk Doujak, Maë Schwinghammer), Studierenden der Kunsthochschule für Medien Köln (Inga Fischer, Rike Hoppe, Veronika Schweighoferova, Marie Sturm)