Droste Festival 2026: »An die Schriftstellerinnen« – Teil 1 von »Amüsier mich!«

Das Droste Festival 2026 erklärt das Rüschhaus zum Ort des weiblichen Schreibens in der Gegenwart.

Design © Kruse & Müller

Weibliches Schreiben entsteht in einer Ordnung, die es gleichzeitig ermöglicht und begrenzt. Annette von Droste-Hülshoff hat diese Spannung in ihrem Schreiben immer wieder verhandelt und 1841 ein Gedicht An die Schriftstellerinnen in Deutschland und Frankreich betitelt und so an ihre schreibenden Kolleginnen gerichtet. Mit der neuen Dauerausstellung wird das Rüschhaus, ihr Lebens- und Schaffensort, zum Ausgangspunkt einer breiteren Auseinandersetzung mit weiblichem Schreiben. Das Festival knüpft daran mit Lesungen, Gesprächen, Performance, Ausstellungs-Rundgängen und einem 2-tägigen Workshop an.  

Was weibliches Schreiben ist, lässt sich nicht einfach beantworten. Hélène Cixous hat mit dem Begriff der écriture féminine eine Schreibweise entworfen, die den Körper nicht ausblendet, sondern von ihm ausgeht. Die feministische Literaturwissenschaftlerin Silvia Bovenschen hat gefragt, ob es überhaupt eine weibliche Ästhetik gibt. Audre Lorde hat aus der Perspektive Schwarzer Frauen darauf bestanden, dass Dichtung keine ästhetische Übung ist. Bei Lorde wird sie zum Ort, an dem Erfahrung zuerst in Sprache gefasst wird – bevor sie gedacht, benannt und schließlich gehandelt werden kann. Diese Positionen widersprechen sich, ergänzen sich, reiben sich aneinander. Sie sind nicht abgeschlossen. Was aus ihnen folgt, ist eine bestimmte Form des Schreibens selbst. Weibliches Schreiben entstand historisch selten allein, sondern im Brief, im Salon, in der Freundinnenschaft – nicht weil Frauen von Natur aus kollektiver schreiben, sondern weil der legitime öffentliche Raum ihnen nicht gehörte. Wo das männliche Genie-Modell das einsame Schreibsubjekt ins Zentrum stellt, das aus sich heraus spricht, ist weibliches Schreiben relational, situiert, auf Austausch angelegt. Und es stellt sich neu auf in einem Moment, in dem feministische Errungenschaften abermals zur Disposition stehen und Männer sich als Opfer von Gleichstellung inszenieren.  

Das Festival blickt auf verschiedene Zeiten, Texte, Schreibweisen. Unter anderem bringt Lütfiye Güzel ihre Gedichte mit, die sie seit jeher als Verlegerin selbst herausbringt. Heike Geißler eignet sich in Michaela Kohlhaas einen der kanonischsten männlichen Stoffe an. Und Sharon Dodua Otoo schildert in So, in etwa, ist es geschehen, wie der Schmerz von Generationen eine Schwarze Frau zu einer tödlichen Tat bewegt. Die Dauerausstellung Droste Welten: Rüschhaus wird dabei zum Schauplatz literarischer Rundgänge. Jenifer Becker und I.V. Nuss, Barbi Marković und Angela Steidele führen jeweils auf eigenen Wegen durch das Haus. 

Der 2-tägige Workshop richtet den Blick noch auf zwei weitere Autorinnen: Christine de Pizan hat um 1405 mit Der Stadt der Frauen eine kollektive Gegenwelt gebaut. Und Elisabeth Lenk hat 1980 beschrieben, welche Ästhetik aus einer Position des Außenseitertums entsteht: der Blick von außerhalb, ohne den idealisierenden Schleier des Dazugehörens. 

Vom 3. bis 6. September 2026 lädt das Droste Festival ein, genau das zu verhandeln – von Christine de Pizan über Annette von Droste-Hülshoff bis zur Gegenwart. 

Der Museums-Eintritt zu den regulären Öffnungszeiten ist im Ticket am Tag der Gültigkeit enthalten. An der Eröffnung hat das Museum zudem von 16:30-19 Uhr geöffnet.

Das Droste Festival findet jedes Jahr statt.
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Akteur*innen

Förderer

Der erste Teil des Droste Festivals 2026 Amüsier mich! mit dem Titel An die Schriftstellerinnen wird gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

Die Produktion Haus Glitchhaus ist Teil der Projektförderung Medienkunst gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW.