Daniel Laufer:
The Geometry of Hope

The Geometry of Hope

Eröffnung am 23. September 2022, 18 Uhr

Laufzeit: 24.-25.9.2022
Samstag und Sonntag 11-19 Uhr
Dauer: ca. 30 Minuten

Video-Installation in der Halle B, Am Hawerkamp 31, 48155 Münster

In seiner neuen Arbeit The Geometry Of Hope adaptiert der Medienkünstler Daniel Laufer den Prosatext Die Judenbuche von Annette von Droste-Hülshoff. Er folgt dabei den Spuren von Schrift im »deutschen« Wald: Wie schreibt sich Kultur dort seit 200 Jahren unwiderruflich in die Natur ein? Wie sprechen und schreiben wir über den Planeten? Und welchen gesellschaftlichen Minder-
heiten werden Bilder zugeschrieben, an denen sie sich messen müssen?

Was genau erwartet uns in The Geometry of Hope?

Knapp eine halbe Stunde dauert der Film. Wie immer in seinen Arbeiten nimmt uns der Medienkünstler Daniel Laufer mit in eine Meditation über Raum und Zeit. Diesmal denkt er darüber nach, wie Mensch und Wald zusammenleben und welche Gespenster und Bräuche uns durch Generationen begleiten.

Die Schauplätze, die Bildmotive, die Figuren basieren auf Droste-Hülshoffs Die Judenbuche. Erstmals erschien der Text vor 180 Jahren, 1842. Gedreht haben Laufer und sein Team u.a. an den Originalschauplätzen des historischen Mordfalls, den schon die Dichterin Droste-Hülshoff bearbeitet hat.

Der Mord am Juden Aaron ist bei Droste aber nur ein Tod unter vielen. Er geschieht einer Nebenfigur. Und die Judenbuche, an der dieser Mord geschah, wird wichtiger als der tote Jude selbst. Auf ihr prophezeit eine Inschrift Gerechtigkeit für den begangenen Mord.

Daniel Laufer verschiebt den Fokus auf zweifache Weise:

Im Zentrum seines Films steht erstens eine Frau, die Ehefrau des Ermordeten. Sie, aus der Stadt aufs Land gezogen, unterhält sich mit ihrem Sohn, mit ihrer Schwester. Laufer sampelt Dialoge aus Drostes Text und erzählt doch eine andere Geschichte. Eine von der Hoffnung, weiter leben, vielleicht noch einmal lieben zu können. Dabei geraten die Räume und die Zeiten aber durcheinander. Sind wir in der Erinnerung an den Tag des Mordes oder ist es ein Traum? Wieso sprechen die Frau und ihre Schwester miteinander, doch wir werden das Gefühl nicht los, sie sind gar nicht zur selben Zeit im selben Zimmer? Das Dorf B. aus Droste-Hülshoffs Text wirkt nicht realistisch, eher wie die von Dämonen heimgesuchte Kleinstadt Twin Peaks bei David Lynch.

Den zweiten Fokus erhält in The Geometry of Hope der Wald. Wie bei Droste-Hülshoff fällen Menschen dort in der Dunkelheit der Nacht illegal Bäume. Geräusche und ein Schrei lassen die Anwesenden innehalten. Doch sind es noch die Gespenster verstorbener Menschen, die hier umgehen? Oder ist es das Gespenst des Waldes selbst, der vor uns Menschen auf der Erde war und uns höchstwahrscheinlich überleben wird?

The Geometry Of Hope nimmt uns mit in intensive Bilder, in denen »Natur» und »Kultur« zwei Pole einer zerstörerischen Auseinandersetzung des Menschen mit dem eigenen Planeten und mit seinesgleichen darstellen.

Auszug aus dem Script zum Film:

When my grandfather’s father had a difficult task to accomplish, he went to a certain place in the forest, lit a fire, and immersed himself in silent prayer. And what he had to do was done.

Years later when my father’s father was confronted with the same task, he went to the same place in the forest and said: We no longer know how to light the fire, but we still know the prayer. And what he had to do was done.

Still later, my mother went into the forest and said: We no longer know how to light the fire, we no longer know the mysteries of prayer, but we still know the exact place in the forest where it accured. And that should do. And that did do.

But when I was faced with the same task I stayed at home and said: We no longer know how to light the fire, we no longer know the prayer, we don’t even know the place in the forest. But we do know how to tell the story, and this must be sufficient.

And it was sufficient.

Termine

Freitag, 23. September, 18-19:30 Uhr
Eröffnung

Freitag, 23. September, 19:30 Uhr
Artist Talk mit Daniel Laufer, moderiert von Jörg Albrecht

Samstag, 24. September, 11-19 Uhr
Sonntag, 25. September, 11-19 Uhr

Halle B, Am Hawerkamp 31, 48155 Münster

Tickets und mehr Infos

Akteur*innen

Regie und Drehbuch: Daniel Laufer
Kamera: Robert Schulzmann, Daniel Laufer
Darsteller*innen: Eve Bitoun, Alexandra Sinelnikova, Aaron Smith
Beleuchter: Vincent Riediger
Assistent: Anas Kahal
Ton: Tom Schön
Drone Operator: Benjamin Weu
Organisation Statist*innen: Sabine Roters
Statist*innen: Rafal Balak, Horst Becker, Bernward Bitter, Marie-Luise Brakowsky, Jürgen Brakowsky, Jörg Dufhues, Elisabeth Gerbaulet, Andrea Jener-Zumbansen, Dennis Kail, Peter Kramp, Gabi Kramp, Gregot Marzinkowski, Hannelore Meis, Werner Möllenbeck, Michel Nowak, Simon Otto, Astrid Poloczek, Franz-Hartmut Richter, Christian Schemmer, Dana Schemmer, Elena Schemmer, Marion Schemmer, Mia Schemmer, Chlaudia Schmitz, Gabriele Schönstädt, Ute Stumm, Renate Weniger, Rüdiger Wölk

Mit Dank an
LWL-Freilichtmuseum Detmold, Jan Levin-Schröder
Filmwerkstatt Münster, David Nacke
LITFILMS Literatur Film Festival Münster, Carsten Happe

Förderer

The Geometry Of Hope ist eine Koproduktion von Burg Hülshoff – Center for Literature mit Daniel Laufer in Kooperation mit LITFILMS – Literatur Film Festival Münster. Die Produktion ist Teil des Projekts Mit den Gespenstern leben (haunting|heritage).

Mit den Gespenstern leben (haunting|heritage) wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen im Programm »Regionales Kultur Programm NRW«, durch die Commerzbank-Stiftung und die Kunststiftung NRW.

Präsentiert von Kultur.West und taz. die Tageszeitung.