Veranstaltung

Mein Prinz

Blinde Flecken/Blind Spots, World Wide World, Re: Reading Droste

22. September 2018 – 10:00 Uhr
22. September 2018 – 12:00 Uhr

cfl_mein_prinz_2894_klein.jpg

mit Schüler*innen des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums Münster
Leitung: Miriam Michel und Rasmus Nordholt-Frieling
nach Motiven des Romans Mein Prinz von Hermann Mensing

Auf Burg Hülshoff gibt es eine Vielzahl von Geschichten – manche sind offen sichtbar, andere aber versteckt. Zum Beispiel im Herrenhaus, im Museum: Hier hängt neben der Galerie der Ahnen und einem Porträt der großen Poetin auch ein Ölgemälde, auf dem ein unbekannter Mann zu sehen ist. Er hat dunkle Haut, trägt einen Turban, Stiefel, ein kleines Schwert am Gürtel und führt ein Pferd.

Das Bild erinnert an die Geschichte eines Mannes, der 1699 nach Hülshoff kam. Er stammte aus Ghana, war dort entführt und als Sklave nach Europa verkauft worden. Hier kaufte ihn Heinrich Johann von Droste-Hülshoff als sogenannten „Kammermohr“, als Kaffee-Diener, als Luxus-Accessoire für Feste und Empfänge.

Später wurde dieser Mann aufgrund seines musikalischen Talents Organist in Roxel. Er heiratete eine Westfälin. Sie hatten fünf Kinder, vier davon starben.

In Annette von Droste-Hülshoffs Prosatext Bei uns zulande auf dem Lande wiederum taucht auf der Landstraße, der Kutsche des Erzählers entgegenkommend, vielleicht genau dieser Mann auf – hundert Jahre, nachdem er starb:

 

In der Ferne bewegte sich etwas Grellrotes zwischen den Kühen und kam näher – es war ein Mensch in Scharlachlivree, von sehr dunkler Gesichtsfarbe – ich sagte nichts.

Die Theaterregisseurin und Performerin Miriam Michel und der Musiker Rasmus Northolt lassen eine Gruppe von Jugendlichen auf das Thema los. Sie lernen bei einer Führung Park und Burg kennen. Sie hören den Münsteraner Autor Hermann Mensing aus seinem Roman Mein Prinz lesen, der die Geschichte des Afrikaners auf Hülshoff erzählt. Und dann: Schreiben sie Texte, experimentieren mit Musik und diskutieren, was die Geschichte eines afrikanischen Sklaven mitten im Europa der Biedermeierzeit uns heute erzählen kann. War auch vor zweihunderten Jahren die Welt schon eine globale? Und was geschieht, wenn Heimat sich verändert?

Ein performatives Sprachlabor: Die Jugendlichen sitzen in kleinen Dolmetscherkabinen und sprechen in Mikrofone. Sie übersetzen die eine Welt in die andere, übersetzen die Geschichte des afrikanischen Mannes im 19. Jahrhundert ins Heute. Der Gartensaal von Burg Hülshoff wird zum Labor, in dem eine Zwischensprache entsteht, die Europa nicht sagen kann, ohne auch Afrika zu meinen.

Die Premiere des Sprachlabors ist Teil des Festivals SCHAUSTELLEN!


Eine Koproduktion von Burg Hülshoff – Center for Literature mit der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur im Rahmen des Projekts Europa in Westfalen – Spuren im Denkmalbestand zum europäischen Kulturerbejahr sharingheritage –  ECHY 2018.