Veranstaltung

Mein Prinz

Blinde Flecken/Blind Spots, World Wide World, Re: Reading Droste

23. September 2018 – 10:00 Uhr
23. September 2018 – 12:00 Uhr

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(c) Dario Damiano

nach Motiven des Romans Mein Prinz von Hermann Mensing
mit Schüler*innen des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums Münster
Leitung: Miriam Michel und Rasmus Nordholt-Frieling; Pädagogische Begleitung: Martina Achenbach

Auf Burg Hülshoff gibt es eine Vielzahl von Geschichten – manche sind offen sichtbar, andere aber versteckt. Zum Beispiel im Herrenhaus, im Museum: Hier hängt neben der Galerie der Ahnen und einem Porträt der großen Poetin auch ein Ölgemälde, auf dem ein unbekannter Mann zu sehen ist. Er hat dunkle Haut, trägt einen Turban, Stiefel, ein kleines Schwert am Gürtel und führt ein Pferd.

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(c) Lennart Lofink

Das Bild erinnert an die Geschichte eines Mannes, der 1699 nach Hülshoff kam. Er stammte aus Ghana, war dort entführt und als Sklave nach Europa verkauft worden. Hier kaufte ihn Heinrich Johann von Droste-Hülshoff als sogenannten „Kammermohr“, als Kaffee-Diener, als Luxus-Accessoire für Feste und Empfänge.

Später wurde dieser Mann aufgrund seines musikalischen Talents Organist in Roxel. Er heiratete eine Westfälin. Sie hatten fünf Kinder, vier davon starben.

In Annette von Droste-Hülshoffs Prosatext Bei uns zulande auf dem Lande wiederum taucht auf der Landstraße, der Kutsche des Erzählers entgegenkommend, vielleicht genau dieser Mann auf – hundert Jahre, nachdem er starb:

 

In der Ferne bewegte sich etwas Grellrotes zwischen den Kühen und kam näher – es war ein Mensch in Scharlachlivree, von sehr dunkler Gesichtsfarbe – ich sagte nichts.

Die Theaterregisseurin und Performerin Miriam Michel und der Musiker Rasmus Northolt lassen eine Gruppe von Jugendlichen auf das Thema los. Sie lernen bei einer Führung Park und Burg kennen. Sie hören den Münsteraner Autor Hermann Mensing aus seinem Roman Mein Prinz lesen, der die Geschichte des Afrikaners auf Hülshoff erzählt. Und dann: Schreiben sie Texte, experimentieren mit Musik und diskutieren, was die Geschichte eines afrikanischen Sklaven mitten im Europa der Biedermeierzeit uns heute erzählen kann. War auch vor zweihundert Jahren die Welt schon eine globale? Und was geschieht, wenn Heimat sich verändert?

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(c) Lennart Lofink

Ein performatives Sprachlabor: Die Jugendlichen sitzen in kleinen Dolmetscherkabinen und sprechen in Mikrofone. Sie übersetzen die eine Welt in die andere, übersetzen die Geschichte des afrikanischen Mannes im 19. Jahrhundert ins Heute. Der Gartensaal von Burg Hülshoff wird zum Labor, in dem eine Zwischensprache entsteht, die Europa nicht sagen kann, ohne auch Afrika zu meinen.

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(c) Lennart Lofink

Die Premiere des Sprachlabors ist Teil des Festivals SCHAUSTELLEN!

A group of young students confront themselves with the history of a man from Ghana who came to the castle Hülshoff in 1699. He was bought as a slave by the young heir of the Droste dynasty in order to serve coffee during dinner parties. Later on, this man became church organist of the community the castle belonged to. He was mar-ried to a girl from the neighborhood. They had five children,
of which just one survied. In the museum of Burg Hülshoff, the students, directress Miriam Michel, and musician Rasmus Nordholt-Frieling construct a performative language lab. Inside this lab, questions like these are posed: What is the color of the skin in our times, compared to former ones? Was the world of 19th century Biedermeier already a global one? And can we even speak about Europe without speaking about Africa, too?

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(c) Lennart Lofink

Eine Koproduktion von Burg Hülshoff – Center for Literature mit der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur im Rahmen des Projekts Europa in Westfalen – Spuren im Denkmalbestand zum europäischen Kulturerbejahr sharingheritage –  ECHY 2018.