Ausstellungs-Rundgang, Gespräch, Lesung, Performance
mit Sharon Dodua Otoo, Heike Geißler, Nicole Seifert, Angela Steidele
17:00 – 22:00 Uhr
Rüschhaus
Ausstellungrundgang von Angela Steidele
Annette von Droste-Hülshoff und die Liebe? Diese Frage wurde lange sehr kurz beantwortet: Was nicht sein durfte, konnte nicht sein. Mit Anfang zwanzig zwei Männer gleichzeitig, mit Anfang vierzig ein siebzehn Jahre jüngerer Mann, ihr ganzes Leben lang Frauen. Ihren Geliebten beiderlei Geschlechts widmete sie so erotische wie camouflierte Gedichte: Konfrontiert mit lauter Tabus in ihrem Liebesleben entwickelte Droste das geschlechtslose Liebesgedicht, ließ bürgerliche Erwartungshaltungen hinter sich und transzendierte die Liebe ins Universelle. Wer Augen und Ohren, Herz und Verstand vorurteilsfrei öffnet, kann die flammenden Herzensspuren in ihrer Dichtung nicht übersehen. Lösen wir heimlich unser Haar und folgen Angela Steidele auf Liebesspuren durchs Rüschhaus.
Begrenzte Teilnehmer*innenzahl, Anmeldung ab 16:30 Uhr am Ticket-Schalter.
Die Veranstaltung findet in Deutscher Lautsprache statt.
von Ilse Aichinger, Regie: Christine Nagel, DLF 2001
Eine Alte, die Anfang und Ende voraussieht. Störche die weg fliegen, ein Wetterhahn kurz vor dem Winter. Ilse Aichingers Miniaturen aus den Jahren 1952 bis 1956 stehen an der Schwelle, kurz vor dem Tod, zwischen Ewigem und Veränderung. Im Hörspiel von 2001 spricht sie selbst mit.
Gespräch mit Sharon Dodua Otoo, Nicole Seifert
Wer schreibt, wer fördert, wer erinnert? Sharon Dodua Otoo schreibt Romane, gibt mit ihrer Reihe Witnessed Schwarzen Stimmen einen eigenen Verlagsort und kuratiert das Schwarze Literaturfestival Resonanzen. Und Nicole Seifert liest den literarischen Kanon gegen den Strich: In ihrem Buch FRAUEN LITERATUR. Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt zeigt sie, wie systematisch Autorinnen aus der Literaturgeschichte herausgeschrieben, vergessen, abgewertet wurden, und wie viele davon erst Jahrzehnte später wiederentdeckt werden.
Im Gespräch treffen diese beiden Blickwinkel, auf das Schreiben selbst, auf Institutionen, auf Geschichtsschreibung, aufeinander. Es geht darum, was weibliches Schreiben heute braucht, um sich zu behaupten: literarisch, aber auch institutionell, ökonomisch, in der Frage, wer Räume dafür schafft und offenhält.
Lesung mit Sharon Dodua Otoo
Auf der Fahrt zu einer Gedenkveranstaltung am Timmendorfer Strand, wo ihr Großvater einst die Cap-Arcona-Katastrophe überlebte, redet Amata Hallers Chef Heinz Brockhaus ununterbrochen: Anekdoten, Klagen über den Stau, vorgeführtes Mitgefühl, ohne dass er ihr wirklich zuhört. Am Ziel der Fahrt ist er tot. In So, in etwa, ist es geschehen montiert Sharon Dodua Otoo Brief, Vernehmungsprotokoll und Geständnis zu der Frage, was diesem Tag vorausging und wie eine Schwarze Frau in der JVA Lübeck landet, weil sie ihren Chef umgebracht hat.
Der Roman verhandelt dabei mehr als einen Einzelfall: Er fragt, wessen Erinnerung in Deutschland Raum bekommt und wessen nicht, wer als Opfer erzählt wird und wer als Täterin, und wie viel stille Aggression sich hinter demonstrativer Empathie verbergen kann. Otoo lässt die Leser*innen zwischen den Textformen selbst zusammensetzen, was passiert ist, und stellt dabei die deutsche Erinnerungskultur auf die Probe.
Performance mit Heike Geißler
Eine namenlose Freundin erzählt vom Leben und Sterben der Michaela Kohlhaas, oft im vorausdeutenden Futur: Man weiß von der ersten Seite an, dass diese Frau sterben wird. Michaela ist stellvertretende Friedhofsverwalterin, erschöpft von Bürokratie, von kleinen und großen Ungerechtigkeiten, von der Erfahrung, dass es von Nachteil ist, eine Frau zu sein, und von Nachteil, sich zu wehren. Anders als Heinrich von Kleists Kohlhaas, der mordet und brandschatzt, greift Heike Geißlers Michaela zu keiner Waffe. Sie kündigt innerlich, zieht mit dem Planwagen durch Stadt und Land, lebt bewusst sichtbar und regelwidrig im öffentlichen Raum, wird zur Reibungsfläche für ihre Umgebung.
Am Ende wird sie tot aufgefunden, ohne Spuren von Fremdeinwirkung, gestorben an Erschöpfung und Verwahrlosung, nicht durch fremde Hand. Michaela Kohlhaas ist eine schimpfende, eine zärtliche, eine große liebende Person, die nicht bloß Verbesserung will, sondern Wiedergutmachung und eine andere Einrichtung der Welt.
Bucht gerne den Festival-Pass für alle Veranstaltungen im Rahmen des Droste-Festivals vom 03.-06.09.2026.