Lesung mit Musik, Gespräch
mit Çiğdem Bektaş, Lütfiye Güzel, Ayşe Kalmaz, Canan Menekşe
19:00 – 21:00 Uhr
Rüschhaus
Bucht gerne den Festival-Pass für alle Veranstaltungen des Droste-Festivals vom 03.-06.09.2026.
Zwei Autorinnen lesen am Eröffnungsabend. Beide halten mit Sprache Gegenwart und Vergangenheit fest. Beide schreiben über kleine und große Gefühle und Erinnerungen, aber auf sehr unterschiedliche Weise.
Die Lyrikerin Lütfiye Güzel liest aus ihrem aktuellen Gedichtband lütfiyeah. Wie der Titel, so sind auch die Texte: kurz, auf den Punkt und deshalb ins Herz treffend. Die Lesung führt diejenigen, die zuhören, durch verschiedene Zustände:
Lütfiye Güzel beginnt:
„das tief
und die zeit die vergeht
das ist die kunst"
damit beginnt die Dichterin
Lütfiye Güzel und führt uns
weiter durch
„die szene
eine organisatorische
eiseskälte
und die unermüdliche
unterdrückung
von so etwas
wie liebe“
und landet am Ende bei
„lütfiyeah
nichts zu wollen
von der welt
und von sich selbst
nur still angelehnt
an diesen baum
so“
Danach steht in der szenischen Lesung von Çiğdem Bektaş, Ayşe Kalmaz und Canan Menekşe Döndü im Zentrum, die Zurückgekehrte: Eine nie wirklich zurückgekehrte Gastarbeiterin der ersten Generation verliert ihr Gedächtnis über ihr gesamtes Leben in Deutschland. Mit 90 Jahren, in einem Altenheim in Krefeld, erlaubt ihr die Demenz, an den Ort ihrer entscheidenden Lebenswende zurückzukehren: nach Ankara, zu dem Moment, als sie sich entschied, nicht in ihr Dorf zurückzukehren. An den Ort, an dem sie ihre drei Kinder zurückließ, um in Deutschland arbeiten zu können – in der Hoffnung, ihnen so eine gute Zukunft zu ermöglichen. Ihre Tochter Canan Menekşe schreibt gegen das Verschwinden dieser Erinnerung an. Die Regisseurin Ayşe Kalmaz richtet den Text ein, musikalisch begleitet von Çiğdem Bektaş.