Ausstellungs-Rundgang, Lesung, Lyrik-Performance
mit Jenifer Becker + Ivy Valerie Nuss, Benita Martis, Alice Hasters, Kollektiv lyrika, Lisa Reutelsterz
11:00 – 15:00 Uhr
Rüschhaus
Lesung, Gespräch mit Alice Hasters
Warum wird Verletzlichkeit heute verachtet, während Härte als Tugend gilt? Alice Hasters geht dieser Frage in ihrem Buch Anti-Opfer. Warum wir Verletzlichkeit verachten nach. Sie beschreibt, wie zunehmend nicht mehr die gemeint sind, denen Unrecht widerfahren ist, wenn von Opfern die Rede ist, sondern jene, die angeblich zu viel jammern, die Harmonie stören, die andere herunterziehen wollen. Diese Verschiebung geht einher mit einem Aufschwung von Autoritarismus und Faschismus, mit mächtigen Bündnissen patriarchaler Komplizenschaft, die die Welt zum Schlechteren verändern.
Besonders deutlich wird das für Frauen: Wer Gewalt meldet, gilt schnell als überempfindlich, wer schweigt, als schwach. Schwarze Frauen trifft das noch einmal härter, ihnen wird strukturell seltener geglaubt, sie entsprechen selten dem, was gesellschaftlich als glaubwürdiges Opfer gilt. Hasters stellt dieser neuen Härte die politische Kraft der Verbundenheit entgegen und fragt, was eine Gesellschaft verliert, wenn Sensibilität als elitär und das Recht des Stärkeren als authentisch gilt.
Text-Adventure von Jenifer Becker und I.V. Nuss, Benita Martis, Lisa Reutelsterz
Du stehst vor einem verlassenen Hof. Der Nebel über der Gräfte hat sich noch nicht gelichtet, als du das Tor zum Rüschhaus betrittst. Wer bist du und was machst du vor dem Landsitz von Annette v. Droste-Hülshoff? Haus Glitchhaus ist ein Text-Adventure-Game, das durchs Rüschhaus führt, von Zimmer zu Zimmer, durch die Geschichte und durch den Nebel. Du suchst Geister und Glitches, aber eigentlich dein Zuhause.
Das Spiel beschreibt deine aktuelle Umgebung, sichtbare Objekte und Ausgänge. Du kannst dich durch die Optionen klicken und das Haus und seine vielen Geheimnisse erkunden. Es gibt keine falschen Entscheidungen, nur verschiedene Möglichkeiten.
Das Textadventure ist im Browser spielbar. Du kannst also von überall aus spielen, um das historische Rüschhaus und seine Geisterwelt zu erkunden. Oder aber du bist vor Ort und nutzt das Spiel für eine Rundtour.
Wenn du vor Ort bist, halte dein Smartphone bereit und begib dich auf den Hof mit Blickrichtung auf das Rüschhaus. Rechts von dir ist das Haus mit dem Infopoint, links von dir das Café, du schaust auf die Sonnenuhr. Starte das Spiel und folge den Anweisungen – diese führen dich vom Hof durchs Rüschhaus, bis ins Schneckenhaus und wieder zurück in den Garten. Nimm dir genug Zeit, um zu lesen, und die Schattenwelt des Hauses zu erkunden.
Begrenzte Teilnehmer*innenzahl, Anmeldung ab 10:30 Uhr am Ticket-Schalter.
Die Veranstaltung findet in Deutscher Lautsprache statt.
Lyrik-Performance mit Kollektiv lyrika (Lou Bakalow, Jonna Charné, Anna Horak, Clara Cosima Wolff)
Drei Frauen kommen in drei neuen Städten an und spüren Ferne auf unterschiedliche Weise, nicht nur zum Ort, auch zur eigenen Entfremdung vom Ich. Text und Musik spinnen Fäden zueinander, begleitet von Cello, auf der Suche nach einem Körper, der all das wieder zusammenbringt.
fernfäden ist eine performative und musikalische Lyriklesung des Kollektivs lyrika, welche Literatur als kollektiven Erfahrungsraum sichtbar und erlebbar macht. Aus einem gemeinsamen Schreibprozess zwischen drei Städten ist ein poetisches Textgewebe entstanden, das individuelle Erlebnisse von Fremdheit, Distanz und Ankommen mit kollektiven Gedanken verknüpft. Wie erleben wir Ferne? Inwiefern sind weibliche Körper von sich selbst dissoziiert und sich selber fremd? Was bedeutet es, „Ich“ zu sagen und darin Zugehörigkeit zu empfinden – zu sich selbst, zum eigenen Körper,
zur Welt? In lyrisch performativen Trialogen begleitet von Jonna Charné am Cello sprechen die einzelnen Stimmen, Körper und Klänge zunächst für sich und verweben sich dann immer mehr miteinander. Mit blauen Wollfäden spannt sich dabei ein Netz durch Raum und macht sichtbar, was im Text anklingt: die Transformation von Vereinzelung zu Verbundenheit, von Fragment zu Geflecht, von Ich zu Wir.
Die Veranstaltung findet in Deutscher Lautsprache statt.
Bucht gerne den Festival-Pass für alle Veranstaltungen im Rahmen des Droste-Festivals vom 03.-06.09.2026.