Ausstellungs-Rundgang, Lesung, Performance
mit Nora Hansen + Josefine Reisch, Barbi Marković
16:00 – 21:00 Uhr
Rüschhaus
Ausstellungsrundgang von Barbi Marković
Barbi Marković führt durch das Rüschhaus und bringt den Horror des Alltäglichen mit: Figuren am Rand, die sich anpassen wollen und trotzdem nicht ankommen. Sie scheitern an Familienfrühstück, Job, Urlaub und den kleinen Zumutungen des täglichen Lebens. Was zunächst vertraut und harmlos erscheint, kippt ins Unheimliche – denn hinter den Routinen des Alltags lauern Abgründe, Ängste und Gespenster, die längst Teil unserer Gegenwart geworden sind.
In Minihorror erzählt Marković von genau diesen Momenten, in denen das Gewöhnliche plötzlich grotesk und bedrohlich wird. Ihre Figuren versuchen, sich in einer Welt zurechtzufinden, deren Regeln sie kennen, aber nie ganz beherrschen. Zwischen sozialen Erwartungen, familiären Verpflichtungen und dem Wunsch nach einem halbwegs normalen Leben entsteht ein Horror, der gerade deshalb so nah ist, weil er aus dem Alltag selbst kommt.
Zwischen Droste-Zimmern und Moorgedichten treffen die Figuren auf Gespenster, die längst hier wohnen. Die Führung durch das Rüschhaus verbindet Markovićs Blick auf die Absurditäten des Alltags mit dem historischen Ort und lässt Vergangenheit und Gegenwart, Literatur und Geisterwelt ineinander übergehen. So wird das Rüschhaus selbst zum Schauplatz eines Minihorrors, der weniger von Monstern als von hartnäckigen Schrecken des Alltags bestimmt wird.
Begrenzte Teilnehmer*innenzahl, Anmeldung ab 15:30 Uhr am Ticket-Schalter.
Die Veranstaltung findet in Deutscher Lautsprache statt.
Hörspiel von Else Lasker-Schüler
Als Else Lasker-Schülers Mann Herwarth Walden im Herbst 1911 nach Norwegen reist, schickt sie ihm Briefe hinterher. Darin erzählt sie ihm von ihrer Liebe zu drei anderen Männern. Sie lässt die Briefe gleichzeitig in der Wochenzeitschrift Sturm abdrucken, die ihr Mann herausbringt. Sie schreibt weiter, auch als ihr Ehemann wieder zuhause ist – und die Ehe allmählich zerbricht.
Regie: Regine Ahrem, rbb / Rundfunk Berlin-Brandenburg 2015, Deutsche Lautsprache
Performance mit Nora Hansen und Josefine Reisch
Liebesbriefe und Liebeslieder aus über zweihundert Jahren, montiert zu einer Bühnensituation zwischen Pressekonferenz und Late-Night-Show: Nora Hansen und Josefine Reisch collagieren in PS: I Love U private Korrespondenzen vom 18. bis ins 21. Jahrhundert zu einem gemeinsamen Skript. Sichtbar wird darin, wie unterschiedlich Menschen versucht haben, Zuneigung und Nähe in Worte zu fassen, und wie viel sich über die Zeiten hinweg gleicht. Das Publikum ist eingeladen mitzuforschen, vielleicht auch für die eigenen Liebeserklärungen.
Lesung, Gespräch mit Barbi Marković
Jeden Samstag treffen sich drei Superheldinnen im heruntergekommenen Café Sette Fontane zu einer Arbeitssitzung: Mascha, die mutige Stütze der Gruppe, Direktorka, unerfahren, aber experimentierfreudig, und Marijas Enkelin mit dem dehnbaren Gewissen und der Rache im Blut. Zwischen klebrigen Tischen, kaltem Kaffee und den Geräuschen der Vorstadt schmieden sie Pläne für eine bessere Welt – oder zumindest für das, was sie darunter verstehen. Denn die drei verfügen über dunkle, chaotische Kräfte, die sich nicht immer kontrollieren lassen. Sie greifen ein, wenn Unrecht geschieht, legen sich mit den falschen Leuten an und bringen ihre ganz eigene Form von Gerechtigkeit in die Vorstädte.
Was nach einer klassischen Superheldinnengeschichte klingt, ist zugleich eine Erzählung über Freundschaft, Wut, Selbstermächtigung und die Sehnsucht nach einem besseren Leben. Die drei Frauen kämpfen nicht nur gegen äußere Gegner, sondern auch mit den Widersprüchen ihres eigenen Alltags. Während sie versuchen, ihre Kräfte sinnvoll einzusetzen, träumen sie vom gesellschaftlichen Aufstieg: Sie wollen raus aus den kaputten Strukturen, raus aus dem Café, hinein in den Mittelstand. Doch der Weg dorthin erweist sich als ebenso kompliziert wie ihre Superkräfte.
Das Café Sette Fontane wird zum Hauptquartier ihrer wöchentlichen Sitzungen. Hier werden Erfolge gefeiert, Konflikte ausgetragen, Strategien entwickelt und die Grenzen zwischen Heldinnentum und Alltag immer wieder neu verhandelt.
Die Veranstaltung findet in Deutscher Lautsprache statt.
Bucht gerne den Festival-Pass für alle Veranstaltungen im Rahmen des Droste-Festivals vom 03.-06.09.2026.