Blogsburg

Spotlight-Poesie

floyd10
(c) Elisabeth Klempnauer

Ein Dialog

Mit Wörtern spielen – Wörter umziehen – zum Mitmachen bewegen...

darüber dachten wir Lesebürger*innen in einer Zoom-Sitzung nach. Ich hatte bei der Beteiligung an einem Schülerwettbewerb die Blackout Poetry kennengelernt und war von den kreativen Ergebnissen meines Kurses noch ganz begeistert.

Das Verfahren der Blackout Poetry wurde vom amerikanischen Autor Austin Kleon entwickelt. Statt mit einem weißen Blatt Papier anzufangen, so beschreibt er es auf seiner Autorenseite, hatte er die Idee, die vollbedruckte Seite der New York Times als Grundlage seiner Gedichte zu nehmen und mit einem Edding die Wörter wegzustreichen, die er nicht brauchte. Mal eine ganz andere Herangehensweise auf der Suche nach dem „Zauberwort“, das die Welt zum Singen bringt.
Dieses Durchstreichen kann man künstlerisch verfeinern, indem man die Seite nicht einfach nur schwärzt, sondern auch mit Mustern, Figuren und Symbolen übermalt oder in anderer Hinsicht künstlerisch gestaltet.

Ein nahezu zauberhaftes Verfahren, das sowohl analog als auch digital möglich sein könnte und viele Möglichkeiten der Partizipation bietet. Wir entschieden uns dafür, diesen Ansatz in unsere Festival-Beiträge einzubeziehen. (Andrea)

Ich habe die Methode vor einigen Jahren kennen gelernt. Auch mir gefällt sie sehr gut, jedoch hat mir das Wort Blackout-Poetry nie gefallen. Ich suchte nach Alternativen. Warum nicht das in den Vordergrund rücken, was bleiben soll? Zum Beispiel mit dem Wort Scheinwerfer-Poesie? (Elisabeth)

Was sollte an Blackout Poetry schon wieder schlimm sein? Doch wohl nicht die Tatsache, dass das Wort Black vorkommt und im Zuge der Diskussion um Rassismus – wie so viele andere Begriffe – nicht mehr unbefangen verwendet werden kann?

An dem Wort Black ist nichts Schlimmes und ich stimme dir im Wesentlichen zu, wenn da nicht mein Erlebnis mit der Anwendung dieser Methode gewesen wäre. Ich hatte mir mehr oder weniger zufällig einen Text herausgepickt, mit dem ich ans Schwärzen bzw. Buntmalen gehen wollte. In dem Text wurden Fragen von Rassismus und Kolonialismus verhandelt. Und in diesem Kontext stieß mir das Blackout so richtig auf. Ich machte erneut den Vorschlag, andere Wörter für die Methode zu suchen. Bestärkt wurde ich dabei von den Zeilen Hermann Böllings:

Manchmal muss man aus Worten ausziehen, weil deren Bedeutungs-Räume zu eng geworden sind.

Den Ursprung des Begriffes und den schaffenden Künstler zu kennen und zu nennen, ist auch eine Frage des Respekts. Andererseits muss man dabei natürlich nicht stehen bleiben. Unser Ausgangspunkt, und der unserer Arbeit im Blog und mit weiteren Lesenden, ist weder die New York Times, noch wollen wir uns auf das Schwärzen von Seiten, auf das Wegmachen und Löschen, beschränken. Mehr ginge es darum, von Elisabeth für mich gut nachvollziehbar beschrieben, die Methode ins Positive zu wenden. Die Hervorhebung der uns ansprechenden Begriffe sollte deutlicher werden. Gibt es für diesen magischen Prozess zwischen Text und Leser*in, der möglicherweise zu einer Metamorphose anregt, vielleicht auch deutschsprachige Alternativen? Aber sicher!

Glanzlicht-Poesie (zu hübsch?) Erleuchtungs-Poesie (zu getragen!) und Taschenlampen-Poesie (Funzel;))
Lichtstrahl-Poesie, Glühwurm-Gedichte, Leuchter-Lyrik, Fackel-Hymnen, Brennglas-Aphorismen...
... Blicklicht-Poesie, Spotlight-Poesie?

Einmal im Flow, kann es immer so weitergehen. Sich in immerwährender Suche nach alternativen Formulierungen zu verlieren, bringt aber inhaltlich nicht weiter. Das Kind braucht einen Namen.

Die Lesebürger*innen entscheiden sich für S P O T L I G H T – P O E S I E.
Und damit vollziehen wir den Umzug von Blackout-Poetry in Spotlight-Poesie. Werfen wir ein Licht auf Wörter, Textstellen und Subtexte, lassen wir die Magie frei!
Andrea schlägt vor, mit einer Seite aus Annette von Droste-Hülshoffs Romanfragment Ledwina hier ein Beispiel zu gestalten. Und weil unser Vorgespräch zu diesem Beitrag an einem 22. stattfindet, soll es Seite 22 aus unserer Ledwina-PDF sein. Die zufällige Auswahl, so Andrea, sei wichtig.

(Unbedingt wichtig. Wem das Tagesdatum nicht magisch genug ist, versuche es mit dem Geburtsdatum, der Lieblingszahl ...)

Hier also drei Ergebnisse unserer spotlightpoetischen Hexenküche!

Andrea Heming und Elisabeth Klempnauer