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Veranstaltung

Black Saturday

Fokus Blinde Flecken / Blind Spots Fokus World Wide World

28. November 2020 – 14:30 Uhr

Statt des Konsumfeiertags Black Friday feiern wir auf Burg Hülshoff den Black Saturday. Ein Mini-Festival mit Literatur von Künstler*innen of Color. Mit Lesungen, Diskussionen, Musik und Führung.

von und mit:
Lubi Barre
foundintranslation
Medard Kabanda
Dorothy Namusisi
Tarik Tesfu
Jackie Thomae
Marshall Vincent
Olivia Wenzel
mit Jugendlichen des Projekts WeDentity von Fetter Fisch – Performance | Theater

In Annette von Droste-Hülshoffs Prosafragment Bei uns zulande auf dem Lande taucht ein Mann »in Scharlachlivree, von sehr dunkler Gesichtsfarbe« auf der Landstraße auf. Der Erzähler kennt dazu nur eine sprachliche Reaktion: »ich sagte nichts«. Doch wir wollen etwas sagen. Wir brauchen Worte, um über das zu sprechen, was gerade gesellschaftlich passiert – und was nicht passiert und längst überfällig ist. Und wir brauchen einen Wechsel der Perspektiven.
Auf Hülshoff versammeln wir deshalb in einem Mini-Festival Texte und Menschen, die sich damit beschäftigen, was Leben in unserer Gesellschaft für diejenigen bedeutet, die nicht weiß sind. Es geht um die Aufarbeitung von Rassismus und Kolonialismus. Es geht um Zusammenleben. Künstler*innen of Color, die in Deutschland geboren wurden oder hier leben, lesen und performen, bringen an diesem Black Saturday Poesie, Pop, Politisches und Trallafiti auf die Burg.

 

Wie die meisten meiner Freunde hielt ich mich für farbenblind, niemand scherte sich groß um Hautfarben. Dieses Sich-nicht-Scheren war eine Behauptung, mit der wir uns so wohl fühlten, dass wir ein paar kurze Jahre glaubten, die ganze Welt stünde kurz davor, so zu denken wie wir. Wie überschaubar diese Welt war, fiel uns erst viel später auf.

— Jackie Thomae, Brüder

Dabei gibt es Lesungen der Schriftstellerinnen Jackie Thomae, Olivia Wenzel und Lubi Barre. Ihre Texte drehen sich um das große Ganze und um kleine Details in den strukturellen Fragen von Körperfarbe und Diskriminierung.
Die Afrika-Kooperative Münster schenkt uns eine Buchbesprechungsrunde: Dorothy Namusisi und Dr. Medard Kabanda lesen und diskutieren zwei ganz unterschiedliche Texte: Meine Stimme für das Leben, die Autobiografie von Denis Mukwege, konogolesischer Arzt und Friedensnobelpreisträger, und Hey, Muzungu!: Reisenotizen aus Uganda des Deutschen Norbert Weber. So bespiegeln sich verschiedene Versionen des afrikanischen Kontinents, der Rolle der Frauen, der Wunden der Vergangenheit und der Vorstellungen für eine lebenswerte Zukunft.
Außerdem bringt uns das Hamburger Kollektiv foundintranslation eine seiner bekannten mehrsprachigen Lesungen mit. Drei Mitglieder der Gruppe und zwei weitere Autor*innen lesen. Sie alle leben in Deutschland, schreiben teils in deutscher Sprache, teils in anderen Sprachen. Wieder einmal stellen foundintranslation so die Frage nach der Zukunft von Literatur in einer Gesellschaft der vielen Sprachen.
Zwischen Lesungen, Essen und Drinks nehmen uns junge Menschen an die Hand. In der performativen Führung WeDentity schauen wir gemeinsam darauf, wie weiß geprägt das ehemalige Privatmuseum der Familie Droste-Hülshoff ist. Gemeinsam schreiben wir den Dingen neue Identitäten zu. Beschreiben sie aus verschiedenen Perspektiven. Angeleitet durch Cornelia Kupferschmid und David Kilinç von der Gruppe Fetter Fisch – Performance | Theater, fragen die jungen Menschen auch: Müsste die Präsentation in diesem Museum in einer heutigen Gesellschaft nicht ganz anders aussehen?
Zum Abschluss des Black Saturday lädt zunächst Tarik Tesfu zur Soirée. Tesfu ist Content Writer, Feminist und auch ansonsten Gutmensch. Bekannt wurde er u.a. durch seine Arbeit für das ZDF-Format Jäger und Sammler. Er wird sich mit einigen der Künstler*innen des Tages unterhalten und hinleiten auf den letzten Programmpunkt: ein Konzert.
Es spielt Marshall Vincent. Soul, Pop und R&B kommen in seiner Musik ganz organisch zusammen und formen harmonische und zerbrechliche Kompositionen. Doch im Zentrum steht vor allem die einzigartige Stimme des Künstlers. Und die führt uns dorthin, wo Liebe, Depression, Melancholie und Sucht sich überschneiden. Ein schönes und schmerzhaftes Ende dieses Mini-Festivals.

Black Saturday is a mini-festival with literature by artists of color. With readings, discussions, music and a performative tour, we will approach the question of what life in our society means for those who are not white using all of our senses.


In Kooperation mit der Afrika-Kooperative Münster e.V.
Black Saturday wird gefördert im Rahmen von Und seitab liegt die Stadt – ein Projekt der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (Förderprogramm »Kultur in ländlichen Räumen«) und des Literarischen Colloquiums Berlin.