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Projekt

Stadt / Land im Fluss

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© Julia Praschma

Stadt und Land: In den vergangenen Jahren sind beide als große Kontraste zurück ins kollektive Bewusstsein gekommen.

Während die Städter*innen sich in ihren sanierten Altbauten oder Fabriklofts, in den Capuccino-Cafés mit Industrielampen, in den Gemeinschaftsgärten und den Yoga-Studios eingerichtet haben, zieht es die Landbewohner*innen ins Countryhouse, mit Kamin, Gartenzaun, Rotwein und einem guten Buch.

Beide Klischées verfallen, sobald Autor*innen anfangen, Romane zu schreiben, die in Dörfern spielen, oder wenn sie Ländliches und Städtisches in lyrische Zeilen pressen.

Gehen wir also dorthin. Zeichnen wir komplexere Bilder von städtischem und ländlichem Zusammenleben als die, die in Magazinen dargestellt werden.. Wo sind die Gegensätze stark? Wo verschwimmen sie? Wo ist der städtische Kiez viel mehr Dorf als das Dorf? Wo ist der Marktplatz in der Kreisstadt städtisch? Wer geht morgens vom Land in die Stadt? Und wer – umgekehrt – für die Ruhe aufs Dorf, nur um abends, nach Feierabend, an der Hauptverkehrsstraße zu stehen und den Lärm und Staub des Urbanen zu genießen? Wie verbindlich oder verlogen oder kompliziert sind Gemeinschaften hier wie dort? Vermittelt die Stadt die modernen Ideen ans Dorf? Und ist das Land dafür immer bodenständiger und – ja! – authentischer?

Zum Glück befinden sich Burg Hülshoff und das Rüschhaus genau in der Zwischenzone zwischen Stadt und Land. Genau deshalb können sie Forum sein, um in den Austausch zu kommen; weil hier Menschen zusammentreffen werden, für die Stadt und Land längst ineinanderfließen. Bis ein Dorf sagt:

 

»Wir sind städtisch für die Umgebung.«

— Saša Stanišic: Vor dem Fest, München: Luchterhand Literaturverlag 2014, Seite 275.

Im Oktober 2018 gibt es zum Beispiel ein Literatur-Double-Feature zum Thema Dorf. In VOR DEM FEST: GEGEN DIE WELT lassen sich Saša Stanišic und Jan Brandt auf ein Experiment ein und werden Teil cross-disziplinärer Lesungen aus ihren eigenen Texten. So vermessen sie gemeinsam mit künstlerischen Kolleg*innen das Dorf. Wie bestimmen dort die Generationskonflikte – selbst wenn sie ausbleiben – das Leben? Wie sehen Freund- und Feindschaften aus? Wie greifen absichtlich Vergessenes und erfunden Erinnertes ineinander? Wie bestimmen sie den ländlichen Raum – der am Ende doch über all das hinausgeht?