Logo Center for Literature
Projekt

Re: Reading Droste

juliapraschma_burghuelshoff_illu_07_drostehuelshoff_cmyk
© Julia Praschma

Annette von Droste-Hülshoff hat umfassend gedacht und gearbeitet: Glaube und der Zweifel an Gott – Männlichkeitsmythen und Emanzipation der Frau – Krieg und Frieden – Heimat und Fremde – Tote und Lebende – Spuk und Krimi – Freiheit und Enge. Das sind nur einige der von ihr aufgeworfenen Sujets. Dafür ist sie immer wieder über die Grenzen von Gattungen, Stilen und damit verbundenen Regelwerken hinausgegangen.

Die Arbeit des Center for Literature auf Hülshoff steht in diesem Geiste: Sie bringt das Erbe der Schriftstellerin zur Geltung, indem sie die Droste nicht musealisiert. Vergleichbar einer Exegese von Texten aus der Bibel, der Torah oder des Koran, geht das Center for Literatur dafür mal näher an ihre Texte und ihr Leben heran, mal bleibt es weiter weg; im Wissen, dass auch der Abstand eine Nähe ist.

Re: Reading Droste meint also eine beständige und vielstimmige Re-Lektüre, die die Dichterin nicht »behandelt wie eine Hülse, die man nur auf alle Art drücken und brechen darf um zum Kern zu gelangen«.*

Die Droste-Tage werden, wie schon seit 2013, jährlich stattfinden und sich mit je einem spezifischen Komplex aus dem Werk der Droste oder ihrer Biografie beschäftigen. 2018 ist das zum Beispiel das Überschreiten von Grenzen, 2019 die Emanzipation der Dichterin als Dichterin, 2020 der Glaube.

Die Themen greifen dabei in die Formen über: Zum Beispiel, wenn das Team der Burg, das Publikum und Künstler*innen über ein Jahr Dinge sammeln, wie es die Droste gern tat, und zusammentragen, daraus eine disparate Kollektion bilden –und auf dieser Basis Wissenschaftler*innen in einem Kolloquium über Sammlungskonzepte allgemein und das Sammlungskonzept eines zukünftigen Literaturmuseums auf Hülshoff diskutieren.

Auch das bereits existierende Droste-Museum spielt in diesem Themenfokus eine entscheidende Rolle: Zum einen erlaubt es einer fünfstelligen Zahl von Besucher*innen im Jahr, visuell und akustisch in die Welt der Droste-Hülshoffs und speziell der Dichterin einzutauchen. Zum anderen soll das Museum, sollen seine Objekte im Fokus Re: Reading Droste lebendig werden. In experimentellen Führungen, Konzerten, Lecture Performances blicken einzelne Exponate zurück, blicken die Besucher*innen an. Damit erscheinen Perspektiven in den biedermeierlich geprägten Familienräumen, die dort sonst nicht vorkommen. Hier liegt eine Querverbindung zum Fokus Blinde Flecken/Blind Spots.

* Annette von Droste-Hülshoff in einem Brief an Anna von Haxthausen, zitiert nach: Barbara Beuys: Blamieren mag ich micht nicht. Das Leben der Annette von Droste-Hülshoff, 3. Auflage, Berlin: Insel Verlag 2015, Seite 174.