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Projekt

Erlösung

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© Julia Praschma

Seit dem 11. September 2001 ist der Glaube mit voller Wucht zurück und hat die Grenze zwischen Privatem und Öffentlichen erneut durchschlagen. Seitdem wird Religion von verschiedenen Seiten wieder instrumentalisiert.

Erlösung ist der Fokus, unter dem sich Burg Hülshoff – Center for Literature um Fragen der Religion kümmert.

Das betrifft mal den eigenen Glauben – so auch bei Droste-Hülshoff, in deren Gedichten sich ihr Zweifel kraftvoll niederschlägt.

Mal geht es um den Glauben anderer. Wer, wenn nicht die Literatur könnte das Gespräch zwischen verschiedenen Religionen als offenes führen? Ein Gespräch jedenfalls, das nichts mit der identitären Abgrenzung zu tun hat, die unsere derzeitige gesellschaftspolitische Debatte bestimmt.

Im literarischen Sprechen werden solche fiktiven Grenzen wieder als Fiktion erkennbar – und damit fließend:

 

»Was glaubt ihr denn, wer ihr seid? Was glaubt ihr denn, wer wir sind? Warum wir Bärte tragen, Locken, Hüte, Tücher, Hosen, Röcke, Ringe, Kreuze, Bänder um den Arm, Tattoos? Warum wir den Kopf bedecken? Warum wir den Kopf nicht bedecken? Warum wir die Schuhe ausziehen? Warum wir die Schuhe nicht ausziehen? Warum wir euch bitten, die Schuhe auszuziehen?«

— Björn Bicker: Urban Prayers, Hörspiel, Produktion: Bayerischer Rundfunk Hörspiel und Medienkunst 2014.

Das CfL nutzt auch im Fokus Erlösung seine transdisziplinäre Kraft. Denn Religion lebt von Ritualen. Wie können Künstler*innen mit vorhandenen religiösen Praktiken spielen? Wie sie sezieren? Und wie verwenden? Welche Messen und Gebetsstunden entstehen, wenn Schriftsteller*innen die Predigten schreiben, singen, flüstern? Wenn das Weihrauchpendel durch ein Glitzerpendel ersetzt wird und die Ikonostase bewegte Bilder zeigt? Und wenn der Priester eine Priesterin ist – und die wiederum Drag Queen-Poetin?

Mit Hilfe der Kunst werden schwierige ethische-religiöse Fragen durchgespielt. In einer 1:1-Performance, in der jemand mir im Bett gegenüber sitzt und über das eigene Leiden spricht, fange ich anders an, über Sterbehilfe nachzudenken. Wie kommen wir danach anders ins Gespräch? Und wofür leben wir als Gesellschaft? Für die Schöpfung? Die Erlösung? Beides?