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Tag 2: 12. Juni 2020

Sivan Ben Yishai, Maren Kames, HYENAZ – PerformanceDROSTE LECTURES 2020 – ANNIES. EIN GESANGLICHES KONZERT

Die Droste Lectures entstehen 2020 im Dialog zwischen zwei Autorinnen: Sivan Ben Yishai und Maren Kames. Zwei der kraftvollsten Schriftstellerinnen der jüngeren Generation sprechen mit uns und Droste über Krieg und Frieden durch die Jahrhunderte und in der Sprache. Produziert von und mit den Sounddesigner*innen und Filmemacher*innen HYENAZ.

Natascha Gangl, RDEČA RAKETA – Konzert – DIE REVANCHE DER SCHLANGENFRAU (SELBSTMORDSCHWESTERN 1)

Ein Klangcomic: In einem Wirbel aus Sound und Wort bringen Autorin Natascha Gangl und Musikduo RDEČA RAKETA uns ins Universum von Unica Zürn, Multimediakünstlerin. Sie führen die Widrigkeiten, denen Zürn gegenüberstand, in diesem Beitrag ad absurdum und lösen sie damit auf.


Teil eins der Mini-Serie Selbstmordschwestern, deren Titel weniger vermutete psychische Probleme der Autorinnen und Künstlerinnen selbst meint, als vielmehr fragt, warum willensstarke Frauen insbesondere in Kunst und Kultur bis heute als krank ausgegrenzt werden.

In Kooperation mit brut Wien.

dorisdean – Video-Serie – JESUS CRIES SUPERSTAR (PART TWO)

Ein Musical. Eine Performance. Eine Video-Collage. Eine Serie von dorisdean in vier Teilen, die fragt: Müssen Körper leiden? Und: Wie können wir vergeben?


Dieses Video ist (eingeschränkt) barrierefrei für Menschen, die nicht oder nur eingeschränkt hören können. Sie können die Untertitel (Deutsch und Englisch) nutzen. Dafür klicken Sie auf »CC« und wählen die gewünschte Sprache aus.
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dorisdean – Video-Serie – JESUS CRIES SUPERSTAR (PART TWO) – Audiodeskription

Ein Musical. Eine Performance. Eine Video-Collage. Eine Serie von dorisdean in vier Teilen, die fragt: Müssen Körper leiden? Und: Wie können wir vergeben?


Dieses Video ist barrierfrei für Menschen, die nicht oder nur schlecht sehen können. Sie können diese Version mit Audiodeskription nutzen.

Barbara Köhler - Lesung - Die Sprachschöpfung

Barbara Köhlers (Autorin, Professorin für Literarisches Schreiben KHM Köln) öffentlicher Input für den Workshop Wort Schöpfung(en). The Golem Lives On mit Max Czollek und Daniel Laufer.

Kalakuta Soul Records – Soundtrack – SOUL RECORDS DAY 2

God is a DJ! Guy Dermosessian von Kalakuta Soul Records kreiert für jeden Festivaltag einen eigenen Soundmix. Es entsteht eine Festivalplaylist verschiedener Musikrichtungen.


Setlist
Grupo Zambo - Salomão
Gabriel S. Carvalho - Tocororô
Mestre Suassuna e Dirceu - São Bento Grande
Ely Camargo - Taieiras
Dimas Camargo - Rei Bantú
Mestre Suassuna e Dirceu - O Congo Chegou
Giovana - Tataruê
Grupo Zambo - Reza Da Noite E Durê
Edivaldo Santos - Rei Do Congo
Noriel Vilela - Ganga Zumba
Georgette (Da Mocidade) - Kiriê

Edgar Selge, Jakob Walser – Lesung – WAS GLAUBT IHR DENN?

Aus unseren Städten klingt ein babylonisches Stimmengewirr: Es spricht der Chor der gläubigen Bürger*innen. Doch kaum fängt eine*r an zu reden, da fällt ihm jemand anderes schon ins Wort - der Architekt, der DHL-Bote, die Lehrerin, der Sozialarbeiter, die Journalistin erzählen. Die Schauspieler Edgar Selge und Jakob Walser leihen ihnen ihre Stimme.

Judith Könemann, Daniel Laufer, Martina Wagner-Egelhaaf - Diskussion - UND WAS WOLLEN WIR GLAUBEN?

Auch im zweiten Block des Festivals wird diskutiert. Vertreter*innen aus Religions- und Kulturwissenschaften besprechen Glauben und Öffentlichkeiten.


In Anknüpfung an die Lesung Was glaubt ihr denn? diskutieren vom Exzellenzcluster »Religion und Politik« der WWU Münster: Martina Wagner-Egelhaaf, Professorin für Germanistik und Dina El Omari, Post-Doktorandin am Exzellenzcluster sowie Judith Könemann, Professorin für katholische Theologie und Leiterin der Arbeitsstelle Theologische Genderforschung an der WWU Münster und Daniel Laufer, religiöser Begleiter des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks.

Max Czollek, Daniel Laufer – Fazit zum Workshop – Wort Schöpfung(en). The Golem Lives On

Der Schreibworkshop Wort Schöpfung(en). The Golem Lives On von Max Czollek und Daniel Laufer ist offen für alle und widmete sich dem Golem (hebr. םלוג ), der prominentesten jüdischen Legendenfigur und einem Erzählstoff, der bis heute Künstler*innen, Filmemacher*innen und Autor*innen inspiriert.
Wir erarbeiten die Fülle der Deutungsmöglichkeiten des Golems – von seiner Erschaffung aus einem Ritual der jüdischen Mystik über literarische und kulturelle Texte bis zum künstlichen Wesen in der Filmgeschichte und Populärkultur, sowohl theoretisch als auch praktisch. Im Zentrum der Golem-Legende steht der menschliche Traum, selbst zum Schöpfer zu werden, Leben zu schaffen. Gehört diese Schöpfung zu unserer Gemeinschaft? Welche Glaubensvorstellungen verbinden sich mit ihm? Die Teilnehmenden nähern sich unter der Leitung von Daniel Laufer (Filmemacher, Kunstlab des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks) und Max Czollek (Autor) mit einem Input von Barbara Köhler (Autorin, Professorin für Literarisches Schreiben KHM Köln) Fragen nach Schöpfung und der Macht des Wortes und erarbeiten darauf aufbauend eigene Textstücke.

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Verfolgt man Was glaubt ihr denn?, hervorragend gelesen von Edgar Selge und Jakob Walser, begegnet man nicht nur einer unglaublichen Vielfalt – Frau Könemann hat es sehr treffend formuliert: über Vielfalt wird vielfältig gesprochen – man wird durch die Art der Lesung auch mit dieser Vielfalt konfrontiert, denn Statements, Rechtfertigungen und Vorurteile wechseln sich im schnellen Tempo ab, dabei eine Fülle von Themen aufgreifend. Selbst derjenige, der meint, Vielfalt in Deutschland bereits erkannt zu haben, wird eines Besseren belehrt, er wird geradezu aufgerüttelt angesichts der Komplexität dieser Vielfalt. Das mag einen im ersten Moment wie eine Lawine überrollen, was bleibt ist aber eine profunde Erkenntnis und Faszination angesichts dieser unterschiedlichen Facetten, die ein schwarz-weißes Denken ins Absurde rückt.

Doch dabei bleibt es nicht, denn das Eintauchen in diese Welt der Vielfalt eröffnet auch die Chance, sich selbst zu reflektieren, sich selbst im Gehörten wiederzufinden. Dabei sind in Bezug auf den Islam eine Reihe an Themen angeschnitten worden, die besonders auch in der breiten Bevölkerungsmasse immer wieder für angeheizte Debatten sorgen, da gibt es sowohl Überschneidungen mit anderen Religionen wie dem Judentum – Herr Laufer sprach die Beschneidungsdebatte und die Rituale an – aber auch ganz klassische Themen, wie die Rolle der Frau im Islam. Ein entscheidender Punkt scheint mir dabei vor allem auch zu sein, dass die Lesung ein stetes »Ihr« und »Wir« aufrechterhält, wobei – wie in der Diskussion angemerkt – keine festen Zuordnungen unter diese Kategorie erfolgen, sondern sich je nach Perspektive wandeln. Dieses »Ihr« und »Wir« kann aber, wenn es absolut gedacht wird, zu Ab- und Ausgrenzung führen, eine Gefahr, die sich auch in Deutschland immer wieder zeigt und die vielleicht auch gerade durch den konfrontativen Ton der Lesung ausgedrückt wird. In diesem Zusammenhang scheint mir der Gedanke von Herrn Laufer sehr wichtig, denn die Differenz in den eigenen Reihen wird häufig in diesem »Ihr«–»Wir« ausgeblendet, dabei nimmt man eben das »Andere« als homogene Masse wahr, wie »der Islam«, »das Judentum«, »das Christentum« oder »die Deutschen«. In Bezug auf den Islam ist dafür ein klassisches Beispiel die Frage nach der Stellung der Frau, welche per se als unterdrückt im Islam gilt. Doch natürlich gibt es auch innerhalb der islamischen Religion eine unglaubliche Diversität und Positionen, die allerdings durch das bekannte schwarz-weiß Denken völlig untergehen. Im Übrigen eine Strategie, die sich auch fundamentalistische Gruppierungen innerhalb des Islams zunutze machen. Diese häufige fehlende Differenzierung und Homogenisierung des Gegenübers oder der eigenen Gruppe ist aber ein Phänomen, dass sich auf allen Seiten finden lässt.

Nun wird der Chor der Gläubigen mehrfach durch die Erzählungen um Leila und Lothar unterbrochen, das führt die Hörer*innen auf eine persönliche Begegnungsebene mit den Protagonist*innen, sie sind also nicht mehr nur mit anonymen Aussagen konfrontiert, sondern begegnen einzelnen Schicksalen. Das scheint mir im Kontrast zu dem Chor eine sehr wichtige Wende in der Lesung, denn hier zeigt sich die eigentliche Problematik: Wir reden nicht miteinander, sondern übereinander, wir rechtfertigen uns gegenüber Meinungen, die im Raum stehen, ohne dabei direkte Gespräche mit den Personen zu führen, die derartige Meinungen vertreten. Es geschieht vieles auf einer abstrakten, entmenschlichten Ebene, doch hinter jeder einzelnen Aussage steckt ein Schicksal mit seiner eigenen Geschichte. Dieser Blick wird ganz entscheidend mit den beiden Geschichten geschärft, wobei ich persönlich es sehr interessant fand, wie die Protagonist*innen ihren Glauben verstanden haben. Während es für Lothar selbstverständlich war, dass sein Glauben zentraler Bestandteil seines Lebens ist, er ihn sozusagen in seinem Handeln praktiziert, z. B. indem er der verzweifelten jungen Frau in einem Akt der Menschlichkeit sein Ohr schenkt, scheint mir bei Leila eher das Bedürfnis der Abgrenzung von allem Materiellen und Vergänglichem, vom Druck der Schnelllebigkeit vorzuliegen und sich deshalb mehr auf das Rituelle zu konzentrieren. Das ist eine durchaus respektable Einstellung, an manchen Stellen scheint sie aber eher in einer Konfrontation mit der Gesellschaft zu leben, was durch einige ihrer Aussagen deutlich wird – sie hat ganz offensichtlich Erfahrungen mit Rassismus und Ausgrenzung gemacht – aber auch seinen Ausdruck darin findet, dass sie immer wieder darauf aufmerksam macht, dass alles Negative, was ihr passiert, mit ihrer Kopfbedeckung zusammenhängt. Es ist in der Tat Fakt, dass Frauen mit Kopfbedeckungen in Deutschland immer wieder unter Diskriminierungen leiden, jedoch ist es meiner Meinung nach der falsche Weg, alle negativen Erlebnisse auf die Kopfbedeckung zu beziehen bzw. den Eindruck zu vermitteln, dass es auch hier nur ein reines schwarz-weiß Denken gebe. Bewundernswert ist daher ihr Umgang damit, denn sie zeigt Kampfgeist, will authentisch zu dem stehen, was sie auszeichnet, sucht das Gespräch mit den Menschen und steckt den Kopf nicht in den Sand. Sie will kein Opfer sein, sondern verfolgt idealistische Ziele. In beiden Geschichten wird zudem deutlich: Glaube gibt den Protagonist*innen Halt, er erdet sie, gleichzeitig stellt er sie immer wieder vor die Herausforderung sich rechtfertigen zu müssen.

Ein abschließender Punkt scheint mir noch wichtig zu sein: Natürlich suchen wir beim Vernehmen der Lesung nach den uns bekannten Dingen, nach den Dingen, die unsere eigenen Gefühle und unsere eigene Lebenswirklichkeit ausdrücken. Doch dabei darf es nicht bleiben, vielmehr müssen wir uns selbst mit dem »Anderen« dem uns »fremd« erscheinenden konfrontieren und uns ehrlich fragen, wo wir Vorurteile haben und Ausgrenzung entstehen lassen. Wir sollten uns ehrlich die Frage stellen: »Was glaubst du denn?«, denn nur so können wir über uns und unsere möglichen Vorurteile hinauswachsen, uns öffnen für andere, ein empathisches Zuhören entwickeln und Pluralität in all ihren Facetten mit Respekt und Wertschätzung leben.

Im Anschluss an den Sendetag:

Donnerstag – 18. Juni 2020 – ganztägig
Max Czollek, Barbara Köhler, Daniel Laufer WorkshopWORT SCHÖPFUNG(EN). THE GOLEM LIVES ON
Offen für alle begleitet dieser Workshop das Festival und widmet sich dem Golem (hebr. םלוג), der prominentesten jüdischen Legendenfigur und einem Erzählstoff, der bis heute Künstler*innen inspiriert.