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Care Paket 1: Emotionale Beziehungsarbeit und Mental Load

»Die Liebe ist überfordert«

»Care« auch als emotionale Arbeit in Beziehungen zu begreifen, steht im Mittelpunkt dieses Paketes. Wer kümmert sich um wen? Wer übernimmt die emotionale Arbeit in Beziehungen? Woher rührt diese Aufteilung? Nicht selten stolpert Mensch bei solchen Fragen über den Begriff des »Mental Load«, also einer »Last der Verantwortung« und, der Koordinationsleistung sowie dem Wissen und dem Überblick, was gerade ansteht und getan werden muss. Hier springen oft Frauen* in die Bresche, da diese Eigenschaften des »sich-kümmerns« stereotyp noch oft eben diesen zugeschrieben werden. Dass dies kein Einzelfall ist, sondern ein gesellschaftliches Phänomen gibt Aufschluss darüber, dass es sich lohnt genauer hinzuschauen, eigene Muster zu hinterfragen und Antworten zu finden. Im Folgenden haben wir euch einige Stimmen aus Journalismus, Literatur, Aktivismus und Forschung zusammengestellt, um einen etwas tieferen Einstieg in das Thema zu ermöglichen.

 

»This is not a problem with you and it's not a problem with me. It's a cultural problem. We have to unlearn a lot of things together in order to move forward.«

1. Kostenlose Links und Literatur

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Als ein Meilenstein in der Entwicklung um den Begriff »Mental Load« kann zum Beispiel dieser Comic von Emma Clit gesehen werden:

Emma Clit 2017: »You should have asked. The Mental Load - A Feminist Comic«. Comic. In englischer Sprache.


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Federici ist eine der wichtigsten theoretischen Stimmen bei der Kritik an Care-Arbeit als Teil des kapitalistischen Systems.

Rosa-Luxemburg-Stiftung/ Silvia Federici 2012: »Das Unsichtbare sichtbar machen« Video. In englischer Sprache ohne Untertitel.


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Queertopia darf an dieser Stelle nicht fehlen, da wir im Rahmen dieser Care-Pakete und des Videotalks auch ein Webinar mit Blu von Queertopia veranstalten:

Queertopia/ U’n’s 2017: »Können wir jetzt über etwas anderes reden?«. Zine. In deutscher Sprache.


Das folgende Interview mit Nicolas Potters kann eine Brücke zwischen Care-Work / emotionaler Beziehungsarbeit und der medialen Reproduktion von Stereotypen schlagen. Dies ist auch zentraler Bestandteil unseres Videotalks. Themen im Interview sind Warenförmigkeit und Kommodifizierung von Liebe im Kapitalismus und das neue Theaterstück »Everybody Needs Only You«. Liebe in Zeiten des Kapitalismus, das Bini Adamczak gerade entwickelt:

Nicolas Potter 2019: »Die Liebe ist überfordert«. Interview mit Bini Adamczak. In deutscher Sprache.

Zollhof Vier/ Bini Adamczak und Konstanze Schmitt 2020: »Everybody needs only you - Liebe in Zeiten des Kapitalismus«. Videodokumentation - Auszug aus der Performance vom 6. Dezember 2019 im HAU3, Berlin. In englischer Sprache ohne Untertitel.


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Ninia La Grande N.A.: »‘Und wo ist dein Kind gerade?’ - Über Gleichberechtigung, Scheuermilch und Ehegattensplitting«


 

»The increased mental load on women has real consequences {...}
our previous research has shown that, despite conventional wisdom,
neither getting married nor having chrildren makes women less ambitious than men.
Instead, ambition levels are far more more influenced by corporate culture«

Jennifer Garcia-Alonso, Matt Krentz, Deborah Lovich, Stuart Quickenden und Frances Taplett 2019: »Lightening the Mental Load That Holds Women Back« Studie der Boston Consulting Group.


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Laura Fröhlich zeigt auf, was Mental Load mit Rollenbildern zu tun hat, die noch heute manifest sind. Außerdem, so klickt man sich weiter durch ihre Linkempfehlungen, nimmt sie eine Unterscheidung zwischen Care-Arbeit und Gefühlsarbeit vor:

Laura Fröhlich 2020: »Kopf voll, Geldbeutel leer. Warum Mental Load Frauen belastet und was sie dagegen tun können«. Gastbeitrag auf der Website des Deutschen Gewerkschaftsbunds.

Weiterhin existiert ein Webinar von Laura Fröhlich, indem Mental Load ein Fehler des Kapitalistischen Systems sei, indem weiblich identifizierte Kinder oft als Kümmernde erzogen werden und die Verantwortung für ein harmonisches Zusammenleben übernehmen müssen.
In dem zweiten Teil geht Laura Fröhlich auf »praktische Tipps« ein, um den Mental Load loszuwerden. Es geht darum, Kommuikationsmuster zu durchbrechen, Ansprüche und Erwartungen kenntlich zu machen und Forderungen zu stellen, indem man Support einfordert und sich von auferlegten Verantwortungen löst.

[insgesamt stark binäre Sicht in dem Webinar, dennoch interessante und wichtige Ansätze]

Laura Fröhlich 2020: »Unsichtbarer Stress?!? Wie ihr das Familienmanagement fair teilt«. Videodokumentation zum Webinar des Deutschen Gewerkschaftsbunds. In deutscher Sprache ohne Untertitel.

YouTube Videos im Rahmen dieses Webinars:
Laura Fröhlich 2020: Webinar »Unsichtbarer Stress?!?« - Teil 1: Was ist Mental Load? Videodokumentation zum Webinar des Deutschen Gewerkschaftsbunds. In deutscher Sprache ohne Untertitel.

Laura Fröhlich 2020: Webinar »Unsichtbarer Stress?!?« - Teil 2: Praktisch Tipps um Mental Load loszuwerden! Videodokumentation zum Webinar des Deutschen Gewerkschaftsbunds. In deutscher Sprache ohne Untertitel.

Weitere Videos zu Webinaren mit und von Laura Fröhlich:

Laura Fröhlich 2020:»Was ist Mental Load?«. Video zum Webinar des Deutschen Gewerkschaftsbunds. In deutscher Sprache ohne Untertitel.

Laura Fröhlich 2020: »Was tun gegen Mental Load?«. Video zum Webinar des Deutschen Gewerkschaftsbunds. In deutscher Sprache ohne Untertitel.

Laura Fröhlich 2020: »Wie finanzielle Unabhängigkeit gegen mental Load hilft«. Video zum Webinar des Deutschen Gewerkschaftsbunds. In deutscher Sprache ohne Untertitel.


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Hagelüken fasst die Studienergebnisse in seinem Artikel zusammen, dabei kommt er zu der wichtigen Erkenntnis: »Frühere Untersuchungen zeigen, dass Frauen entgegen dem Klischee weder durch Heirat noch durch Schwangerschaft beruflich an Ehrgeiz verlieren. Es ist vielmehr die Doppelbelastung, die sie entmutigt - und eine auf männliche Karrieren fixierte Firmenkultur«. Zeigt: Mental Load ist der Faktor, warum sich viele Frauen* aus dem Berufsleben zurückziehen, da sie das Gefühl haben, der Balancierung von Mental Load nicht gewachsen zu sein. Schade, ist an dieser Stelle, dass der Artikel nicht von einer Frau verfasst wurde.

Alexander Hagelüken 2019: »Wenn alles an ihr hängt«. Süddeutsche Zeitung. In deutscher Sprache.

2. Buchtipps (keine kostenlose Literatur)

Almut Schnerring/ Verlan, Sascha 2020: »Equal Care. Über Fürsorge und Gesellschaft.«
Liv Strömquist 2020: »Ich fühl‘s nicht. Graphic Novel«
Lan Hornscheidt: »Zu Lieben - Lieben als politisches Handeln, Kapitalismus entfliehen.« Wendebuch