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Blogging on Heaven's Door

Dorisdean - Jesus Cries Superstar

11.06.2020 ⋅ von Elisabeth Klempnauer

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(c) Elisabeth Klempnauer, entstanden auf der Plattform miro
 

Tag 1

• Die Lesung der Menschenrechts-Charta und die schreiende Anwesenheit der abwesenden Wörter, ein sehr beeindruckendes Hör-Erlebnis!


• Die Rüschhaus-Beete als Gebeetsteppich. Faszinierend!


• Unterschiedliche religiöse Gesten des Betens derart fließend zusammengeführt, beeindruckend! Gegenpol: die scheinbar "Gestenlose" ganz im Hintergrund.


• Das Ritual des Vergebens am Ende. So herrlich übertrieben, dass es weh tut: Warum überhaupt bemühen, wenn doch alles vergeben wird?


• Eine Performance mit Tiefgang!

 

Tag 2

I
Rüschhaus?
Vor einer schwarz-weiß karierten Wand, oder ist es der Fußboden?
Eine junge Frau streift 7 Jesus-T-Shirts übereinander...

  1. Team Jesus (weiß)
  2. Jesus-Ikone (schwarz)
  3. Keep calm, love Jesus (orange)
  4. Ich folge Jesus (rot)
  5. Faith over Fear (gelb)
  6. I love Jesus (weiß)
  7. Jesus Calling (Schwarz); Grün für Anrufen, Rot für Auflegen.

... Schicht für Schicht bis zur Erschöpfung.


II
Rüschhaus-Küche

Eine lange Tafel. Ein Abendmahl? Eine Orakel-Gemeinschaft? Eine Spielrunde?
4 Frauen und 2 Männer spielen das Tarot der Gött*innen.
Regeln: Resonanz, Intuition, Kooperation.


III
Rüschhaus: Nackte Wand

Wechselnde Sprecher.
Das apostolische Glaubensbekenntnis als Erasure-Text.
Die Anwesenheit des Abwesenden oder die Abwesenheit des Anwesenden?


IV
Rüschhaus: Marienschrein hinter der Gräfte

Die weiße Göttin stellt sich vor..., in Englisch.
Gerne würde ich den Text lesend mitverfolgen.


V
Rüschhaus-Küche

Die lange Tafel. Veränderte Sitzordnung.
Gespräche über Tarot. Deutungshoheiten versus Selbstdeutung.
Tendenz zum „direkten Draht“.


VI
Rüschhaus: Auf Annettes Sofa

Jesus Christ, der Superstar, cries...
vor lauter Besetztheit; von dem, was sie sagen, schreien, weinen, was er alles sein und tun soll...


VII
Rüschhaus: Auf der Treppe zum Gartensaal und im Barockgarten

Kostümierte Performance zu Drostes Gedicht „Glaube“.
Expressiv, lebendig, bunt, einzeln, synchron...
VII = Die Summe von Geist, Seele, Körper, also das Menschliche.

Abspann

Fast hätte ich es übersehen: da kommt noch was hinterher:


VIII
Rüschhaus: Auf Annettes Sofa

Der Tisch wie ein Altar geschmückt: Marienstatue, Kerze, Blumen.
An der Wand hinter dem Sofa: Miniatur-Porträts von Annette Drostes engster Familie.
Ein junger Mann spricht sein persönliches Glaubens- und Verlassens-Bekenntnis.
Schicht für Schicht bis zur Befreiung.
VIII = in der christlichen Symbolik die heilige Zahl.



Mein Résumée
Es gefällt mir, auf welch bunte und vielfältige Weise die Rüschhaus-Örtlichkeiten neu bespielt werden.
Die glaubende, zweifelnde, vertrauende, forschende, kreative und ausdrucksstarke, leider in ihrer Zeit allzu sehr „gefesselte“ Annette von Droste-Hülshoff stelle ich mir gerne als Zuschauerin dieser Entfesselung vor.


Mein Nachdenken gibt das vollständige Ergründen-Wollen der Performance einigermaßen gelassen auf und fasst den Entschluss, die vielen Facetten einfach an mich ran zu lassen. Mein Verdauungstrakt dürfte noch eine Weile beschäftigt beschäftigt sein.


Fortführung der Resonanzen zu DDJCS an den nächsten Festival-Tagen.
Wir bleiben dran!