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Blogging on Heaven's Door

Hier gibt’s was auf die Augen - Filmtipps zum Tagesthema

05.06.2020 ⋅ von Andrea Heming

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(c) Andrea Heming

Als Barack Obama 2009 amerikanischer Präsident wurde, war ich nicht nur schockverliebt wie vieler meiner Freundinnen. Ich war auch der naiven Ansicht, die Ära des Rassismus röchele damit ihrem unweigerlichen Ende entgegen.

Der folgende Film kam 2018 in die Kinos. Die sarkastische Komödie wirft auf der Grundlage einer wahren Geschichte einen Blick in die gespaltene amerikanische Gesellschaft der 70er Jahre. BlacKkKlansman punktet auf der reinen Unterhaltungsseite mit dem Afroamerikaner Ron, der unbedingt schon immer Polizist werden wollte und es schließlich trotz aller Widerstände auch wird. Wie es ihm gelingt, Kontakt zum Kukluxklan aufzunehmen, den Ortsgruppenchef an der weißen Nase herumzuführen und gegen die Rassisten zu ermitteln, ist genial.

Zum Glück hat er auch nette weiße Kollegen, die ihn unterstützen. Doch Regisseur Spike Lee belässt es keineswegs bei einer unterhaltsamen Story. Besonders Anfang und Ende des Films lehren den Zuschauer das Gruseln. Die aktuellen Ereignisse geben Anlass genug, sich mit der Geschichte des Rassismus in den USA auseinanderzusetzen. Der Film liefert dafür eine diskussionsanregende Grundlage.

 

Lesebürger*innen-Filmtipp

Zeit, sich mit der eigenen Geschichte zu befassen. So richtig scharf war ich ja nicht auf diesen Film, trotz der vielen Nominierungen, des Publikumspreises Filmfestival Toronto und dem Oscar für das Beste adaptierte Drehbuch. Der Film spielt in der Endzeit des Zweiten Weltkriegs und geht in satirischer Weise mit dem Nationalsozialismus um. In der Vorschau fühlte ich mich von der Thematik emotional überfordert, aber dann habe ich mich im Autokino herangewagt. Der unglaublich niedliche 10-jährige Johannes Jojo Betzler (Roman: Griffith Davis) ist überzeugter kleiner Nazi, mag Hakenkreuze und will mal einen Juden fangen, um sein großes Idol Hitler zu beeindrucken.

Der erscheint ihm häufig als imaginärer Freund, denn Jojo ist viel allein. Sein Vater kämpft an der Front, seine Mutter (Scarlett Johansson in einer sehr anrührenden Rolle) hat viel zu tun. Auf einem Lehrgangswochenende für die Hitlerjugend sollen die Kinder von Hauptmann Klenzendorf (großartig von Sam Rockwell) für den Endsieg trainiert werden. Jojo freut sich sehr darauf, ein richtiger Kerl zu werden und Juden zu töten. Als er allerdings ein Kaninchen umbringen soll, bringt er es nicht fertig, was ihm seinen Spitznamen und dem Film den Titel gibt: JOJO RABBIT.

Was sich sehr düster und bedrückt anhört, ist unterlegt von absurder Komik. Regisseur Taika Waititi, der selbst Hitler spielt, hat den richtigen Blick von außen auf die perverse Komik dieser Zeit. Als Sohn eines Maori und einer Mutter mit russisch-jüdischen Wurzeln hat er für Rassismus und Antisemitismus nur Spott übrig. Denn der kleine Jojo entdeckt auf dem Dachboden ein schreckliches Geheimnis. Seine Mutter versteckt eine junge Jüdin, die sich, für Jojo als Ziel jahrelanger Propaganda überraschend, als ein normaler, sogar netter Mensch herausstellt. Ein Happy End durfte man nicht erwarten, aber der Film setzt am Schluss, was ihm in der Kritik auch vorgeworfen wurde, positive Zeichen.

Spannende Einblicke wünscht Dauerkinogängerin Andrea