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Blogging on Heaven's Door

Gött*innen Japans

14. Juni 2020 ⋅ von Sophie Stroux

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Die tori (鳥居) sind Eingänge zu Schreinen und Tempeln. Oft sind sie rot angestrichen, da Rot die heilige Farbe ist. Sie markieren den Eintritt ins Heiligtum und Gläubige werden sich vor dem Tor verbeugen, um einzutreten. Anschließend wird die Mitte des Weges gemieden, da dort die kami (Gött*innen) wandeln. Beim Verlassen des Ortes wird sich zum Heiligtum hin abermals verbeugt. (Da hier das erste tori eine Straße einrahmt, wird sich wohl erst beim nächsten Tori, kurz vor dem Schrein, verbeugt werden)
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Der Unterschied zwischen Schreinen und Tempeln ist die Religion, zu deren Ehren sie errichtet wurden. Es wird unterschieden zwischen Tempeln für den Buddhismus und Schreinen für den Shintoismus, die sog. ethnische Religion Japans, die Naturgött*innen verschiedenster Formen verehrt. In Japan wird jedoch nicht immer so trennscharf zwischen den Religionen unterschieden und so finden sich oft Schreine in Tempelanlagen und andersherum.
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Manchmal zeigen die tori auch an, dass ein heiliger Ort in der Nähe ist – hier kann man vom Boot aus schon erkennen, dass sich im Wald am Ufer ein wichtiger Schrein für den Berg-kami versteckt.
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"Kitsune" (狐), der japanische Fuchs, ist eine mythologische Figur, die oft an japanischen Schreinen zu finden ist. Dort heißt er dann "Inari" und ist Gött*in (kami) der Fruchtbarkeit, des Reis und der Füchse (im Japanischen gibt es kein sprachliches Genus, und so haben die Gottheiten auch oft kein Geschlecht).
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Neben-Schrein einer Tempelanlage in Tokyo. Wer mehr zu den kami, also Gottheiten, im Shinto lesen will, kann gerne diesem Link folgen: https://www.univie.ac.at/rel_jap/kami/Kami
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Inari-Statuen vor Bannern, die Spenden von Firmen anzeigen.
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Ein Schrein für die Gottheit des Yahikoyama (弥彦山) – oben auf der Bergspitze nach einem zweistündigen Aufstieg zu entdecken.
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Ein kleiner Nebenschrein mit noch kleineren Komainu.
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Die rote Niō-Wächterstatue bewacht zusammen mit der blauen den Eingang zu Tempelanlagen wie hier in Tokyo beim Sensō-ji. Die beiden Statuen stehen immer zusammen, da sie verschiedene Dualismen repräsentieren.
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Einer der beiden typischen Wächterlöwen "Komainu" (高麗犬), die oft vor Schreinen stehen. Genauso wie die Niōniō-Wächetr treten sie in Paaren auf und symbolisieren Anfang/Ende, aktiv/passiv.
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Komainu in ungewöhnlichem Look.
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Der Holzschrein *Gokoku* (護国神社) in Niigata.
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Der einzige futuristische Schrein, den ich in fast 6 Monaten finden konnte – gesehen in Osaka.
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Der Namba Yasaka Schrein (難波八阪神社) in Osaka beherbergt unter anderem ein riesiges Löwenmaul, das böse Geister und Krankheiten "schlucken" soll.
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Kleiner Schrein unterhalb eines Einkaufzentrums. Osaka.
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Schrein/Tempel mit berühmtem "Moosbuddha" (links zu erahnen) in Osaka.
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Die Kordel mit Papier markiert ein Heiligtum. Sie hängt oft an Schreinen, wird aber auch um heilige Bäume und Felsen gebunden.
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Bei diesem Schrein findet sich die Kordel zur Markierung des Heiligen sehr offensichtlich.
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Nach Eintritt in einen Schrein/Tempel unterziehen Gläubige sich einer rituellen Waschung. Hier spucken mehrere Drachen das Wasser, das anschließend mit Holzkellen aufgefangen wird. Die Hände und Mundhöhle werden gereinigt und anschließend der Griff der Kelle mit dem restlichen Wasser begossen.
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Herbstansicht des bekannten Zōjōji (増上寺) in Tokyo nahe dem Tokyo Tower.
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Amida-Buddha im Haupthaus des Zōjō-ji. Die Tempelanlage ist Hauptsitz des Jōdo Buddhismus.
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Eine Schrein für einen Stier. Der Stier steht in Japan oft für Tenjin (天神), die Gottheit der Gelehrsamkeit, Kalligraphie, Schreibkunst. Seltener zu finden als die Füchse und Wächterlöwen Komainu.
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Schrein in Tokyo.
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Pferdestatue im Haupttor des Schreins.
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Jizō-Bodhisattva Statue im Nationalpark Hokkaido. Jizō begleitet die Toten ins Totenreich und nimmt sich sog. "Wasserkinder" an – abgetriebener oder verstorbener Säuglinge. Auch deshalb trägt er oft eine kindliche rote Kapuze oder ein rotes Lätzchen.
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Festliche Dekoration zum Beginn des neuen Jahres (2020 ist Jahr der Ratte/Maus)
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Im neuen Jahr werden neue Horoskope und Amulette bei den Tempeln/Schreinen gekauft. So ähnliche Verkaufsstände finden sich an fast jedem heiligen Ort. Jedes Amulett hat einen eigenen Nutzen – sie können Wohlstand und Gesundheit versprechen, aber auch ganz konkreten Dingen wie Erfolg in der nächsten Prüfung oder Bestehen der Fahrprüfung. Nach einem Jahr verliert das Amulett seine Kraft und wird zurückgegeben (und natürlich ein neues erworben).
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Die Horoskope sind dabei sehr spezifisch und äußern sich zu allem möglichen – vor allem klassifizieren sie das zukünftige Glück nach "sehr gut", "mittel" und "schlecht." (Manche differenzieren sogar noch genauer). Vor allem schlechtes Glück lässt man lieber im Schrein und bindet es an Bäume oder Kordeln wie vorne rechts im Bild. So entstehen ganze Papierskulpturen schlechten Glücks.
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Neben Bäumen für schlechtes Glück finden sich oft Pflaumen- und Kirschbäume in Tempel- und Schreinanlagen. Hier beginnt die erste Pflaume Ende Februar zu blühen.
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Vor allem im Sommer gibt es viele Matsuri (祭), Feste zu Ehren von Gottheiten. Dazu gibt es Umzüge, Süßigkeiten und vor allem viele Essensstände.
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Hier ein Schrein in Tokyo für ein Festival mit hunderten von Lampions geschmückt.
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Zu Neujahr werden den kami traditionell mochi (Reismehlkuchen) und Mandarinen in diesen Opferschalen aus Holz dargebracht. Da die Füchse kami des Reis sind, also des Grundnahrungsmittel schlechthin in Japan, finden sich besonders in ihrer Nähe oft Opfergaben.
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Vor allem in der heiligen Stadt Kyoto bewegen sich die heiligen Städten in die Berge hoch. Oft sind sie deswegen auch den kami der Berge gewidmet. Diese Tempel- und Schreinanlage Kiyomizu-dera (清水寺) gefiel mir besonders gut und ist eine der ältesten Japans.
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In Nara, eine Stadt zwischen Kyoto und Osaka, kommen die heiligen Hirsche auch in die Stadt und lassen sich von Besucher*innen füttern.
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Keine Fotoshow zu Religion in Japan darf natürlich ohne den berühmten Berg Fuji 富士山 enden – der heilige Vulkan wird eigentlich auch fast nie Berg, sondern immer Fuji-sama gennant – wobei "sama" eine ehrfürchtige Anrede ist. Er ist der höchste Berg Japans und im Sommer kann man auf ihn hochwanden – ab Herbst sind die Wege allerdings gesperrt, auch wegen des Schnees.

Bildrechte: Sophie Stroux

Sophie Stroux
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