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Blogging on Heaven's Door

Glaubst du an Menschenwürde

10.06.2020 ⋅ von Elisabeth Klempnauer

lesebuerger_innen-blog
(c) Elisabeth Klempnauer, entstanden während der Diskussion auf der Plattform miro

Zunächst einmal zum Setting:
Faszinierend, die vier gerahmten Bildschirme im biedermeierlichen Rüschhaus-Salon. Symbol für den »Elfenbeinturm«, in dem nicht nur die 4 Diskutierenden, sondern wir alle als die Privilegierten über Menschenwürde nachdenken?

Nebenbemerkung zum technischen Gelingen:
Die Videochat-Bilder kommen zwar mit den unvermeidlichen Zeitverzögerungen rüber, aber die Sprachqualität ist super, so dass es möglich ist, der Diskussion ohne technisches 'Rauschen' zu folgen. Eine wesentliche Verbesserung im Vergleich zur Denkfabrik Politik und Gefühl, die ja ein erstes Online-Experiment des CfL im Corona-Setting war.

Zur Diskussion und was mich daraus noch beschäftigt:

• Die Frage: »Glaubst du an Menschenwürde?« Hilfreich die Zusatzfragen, die ins Konkrete führen: »Wie sieht dein gesellschaftspolitisches Engagement in der Pandemie-Zeit aus? Projekte? Formen der Kommunikation?«

• Die Frage: »Was bedeutet Menschenwürde für dich? Kannst du etwas mit dem Begriff anfangen? Leitet er dich?«

Die diskutierten Fragen werfen neue Fragen auf:

• Geht mit dem Glauben nicht auch immer der Zweifel einher?

• Ist die Diskussion über Menschenwürde, hier im Elfenbeinturm, nicht pure Anmaßung?

• Wäre es nicht besser, für Gerechtigkeit und Chancen zu kämpfen als über Menschenwürde zu diskutieren?

• Ist Menschenwürde eine Frage des Geldes?

• Statt nach dem »Glauben« zu fragen, wäre es da nicht besser, sich die Frage zu stellen: Wie trete ich für Menschenwürde ein?

• Brauchen wir das Ideal der Menschenwürde überhaupt? Wie können wir die europäische Tradition aktualisieren? Was ist mit anderen Traditionen der Menschenwürde?

• Ist das Ideal der Motor oder ist es die Differenz zwischen Ideal und Realität, die das Handeln antreibt?

• Vernachlässigen wir die positiven Aspekte?

• Sollte der Fokus mehr bei Ermöglichung liegen?

• Erzeugen wir mehr Nachhaltigkeit mit regionaler Anbindung der Initiativen?

• Wo kommt es auf mein Handeln an? Meine solidarische Vernetzung?

• Was habe ich in der Hand? Was können wir tun?

• Endlich zuhören? Die Betroffenen selbst sprechen lassen?


• Aus dem Rahmen steigen, jetzt!