Dichterin

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© Harald Humberg

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© Münsterland e.V._P. Foelting



Annette von Droste-Hülshoff gilt als eine der wichtigsten deutschsprachigen Literat*innen überhaupt und als bekannteste Dichterin des 19. Jahrhunderts in deutscher Sprache. Sie lebte von 1797 bis 1848.
Geboren wurde sie auf Burg Hülshoff bei Münster. Hier, am Stammsitz ihrer Familie, die dem katholisch geprägten Adel und der weißen Mehrheit der Bevölkerung Westfalens angehörte, verbrachte sie die erste Hälfte ihres Lebens. Hier entdeckte sie ihr Talent für die Literatur: Als Siebenjährige soll sie ihr erstes Gedicht im Dachgebälk der Burg versteckt haben.

Es war eine wechselhafte und unsichere Zeit, in die Annette von Droste-Hülshoff hineingeboren wurde, eine Zeit zwischen Restauration und Revolution, bestimmt von der Säkularisation, von den Napoleonischen Kriegen, von preußischem Expansionsstreben und der europäischen Neuordnung nach dem Wiener Kongress, der zunehmenden Bildung der souveränen Nationalstaaten und der Radikalisierung des Kolonialismus im globalen Süden. Auf dem als bedrohlich wahrgenommenen Untergrund vieler Neuerungen und Umwälzungen bestimmte das auf Harmonie, Familiensinn und Privatheit bezogene Lebensgefühl des Biedermeier das Dasein in einer Zeit, deren Erschütterungen unter der Oberfläche nur allzu deutlich waren und für eine tiefgreifende Verunsicherung sorgten.

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Annette von Droste Hülshoff und ihre drei Geschwister, die ältere Schwester Jenny sowie die jüngeren Brüder Werner-Constantin und Ferdinand, erfuhren eine gemeinsame Bildung, sie wurden u.a. vom Hauskaplan in mehreren Sprachen, in Geschichte, Naturkunde und Geografie unterrichtet. Nach Tod des Vaters 1826 übernahm der älteste Sohn die Burg, Mutter und Töchter zogen in das nah gelegene Haus Rüschhaus. Droste wohnte hier nicht nur mit Mutter und Schwester, sondern auch mit Knecht, Magd, Pferd und Kuh unter einem Dach.

Mit seiner Abgeschiedenheit und seiner idyllischen Lage wurde das Rüschhaus im Laufe der Zeit zu einem geschätzten Wohnort, den Droste sich in ihrem »Schneckenhäuschen«, so nannte sie ihr Arbeits- und Wohnzimmer, als Poetinnenresidenz gestaltete. Droste lebte und schrieb rund 20 Jahre im Rüschhaus.

Durch ihre frühe Geburt war die Dichterin Droste-Hülshoff selbst Zeit ihres Lebens immer wieder über längere Zeiträume erkrankt und von Leiden geplagt, pflegte aber andererseits auch Verwandte und Bekannte, u.a. die Amme, die sie als »Siebenmonatskind« auf die Welt gebracht hatte. Fürsorge begleitete Droste-Hülshoff auch als ein literarisches Thema. Die literarischen Ambitionen der heute weltbekannten Dichterin ließen sich jedoch nur schwer mit den Vorstellungen ihrer adeligen Familie und den Konventionen auch der allgemeinen Öffentlichkeit vereinbaren. Eine schreibende Frau, zumal aus dem Adel, galt nicht als schicklich. Unter Klarnamen veröffentlichte Droste-Hülshoff erst in ihren letzten Lebensjahren.

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Annette von Droste-Hülshoff ist mit so bekannten Texten wie dem Gedicht Der Knabe im Moor und dem Prosatext Die Judenbuche in jeder deutschsprachigen Literaturgeschichte vertreten. Im Kontext des westfälischen Adels lebte sie als unverheiratete Frau, die sich gegen gesellschaftliche und familiäre Widerstände als Schriftstellerin selbstbewusst auf ein Terrain begab, das eigentlich Männern vorbehalten war.

Ein Grundkonflikt in Drostes Leben ist sicher die Spannung zwischen Selbstbestimmung und Fügsamkeit. Das Gedicht Unruhe bringt dies 1816 pointiert zur Sprache:

Fesseln will man uns am eignen Herde! Unsre Sehnsucht nennt man Wahn und Traum Und das Herz, das kleine Klümpchen Erde, Hat doch für die ganze Schöpfung Raum.

Droste starb 1848 während eines Aufenthaltes auf der Burg Meersburg am Bodensee, wohin ihre Schwester Jenny zuvor mit ihrem Mann gezogen war und Droste immer wieder Besuche dorthin unternahm.

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Ihre Texte spiegeln ein umfassendes Verständnis ihrer Zeit, der Naturwissenschaften, von Sprache, Recht, Wirtschaft und Gesellschaft wider. Sie zeugen von ihrem wachen Blick für die politischen, gesellschaftlichen und sozialen Umbrüche des frühen 19. Jahrhunderts. Mit ihrer sprachgewaltigen Lyrik und Prosatexten wie der weltbekannten Erzählung Die Judenbuche setzte sie ihrer Heimat Westfalen ein Denkmal und porträtierte verschiedene soziale Milieus genauso wie die bereits durch den Menschen massiv veränderte Natur. »Naturgetreues durch Poesie veredeln« – so lautet ein von ihr formuliertes Motto für das eigene Schreiben. An anderer Stelle schreibt sie:

Ich mag und will jetzt nicht berühmt werden, aber nach hundert Jahren möcht ich gelesen werden.