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Event

Vogue Hülshoff

Fokus World Wide World Fokus Poetik des Publikums / Poetics of the public

30. Oktober 2020 – 20:00 o clock

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çakey blond © Alexander Schneider

Eine partizipative Performance. Gemeinsam denken wir über die kulturelle Praxis des Voguing nach und nähern uns künstlerisch und spielerisch den Schichten der Ballroom-Culture und ihren vielen Einflüssen. Mit Abstand posieren wir – und träumen gemeinsam von einer Zeit, in der wir keinen Abstand mehr brauchen.

von und mit:

Çakey Blond

House of Mazeltov (Shlomi moto Wagner, Judy LaDivina, Haidar The Darvish, Purrja)
effacé

Lady Liberty Lestrange

Keelan Whitmore
und mit Texten von Gerhild Steinbuch

CfL digital
Digitaler Voguing-Workshop am 23.10.
ABGESAGT

Was war noch Voguing?
Ein expressiver Tanzstil, der aus starken Posen, klaren Schritten und perfekter Mimik besteht. Anhand der Kategorien der Voguing-Abende stellen die Teilnehmenden bestimmte soziale Figuren vor und aus – mal kostümiert, mal nicht-kostümiert. Oder sind wir am Ende IMMER im Kostüm und merken es erst, wenn wir voguen? Wir teilen die Welt in Kategorien und werden in Kategorien eingeteilt. Und manchmal gelingt es uns, sie selbst zu bestimmen.


Wie ist Voguing entstanden?

Voguing entstand in der ersten Hochzeit der Models in den 1960ern. Richtig an Fahrt nahm der Stil aber erst in den den 80ern auf, als die Subkultur der homosexuellen und transidenten Schwarzen und Latinxs in New York City ihn weiterentwickelte. In den sogenannten Ballrooms in Harlem versammelten sie sich zu Bällen. Für sie war Voguing ein Spiel mit den Traumwelten von Aufstieg, Glamour, Adel, aber auch mit den Zwängen klarer, eindeutiger Geschlechter und Sexualitäten. In den 90ern wurde Voguing dann durch Madonnas Song Vogue mit einem Schlag weltbekannt. Hinter ihr und ihrem weißen Ruhm verschwanden jedoch die Menschen und die Kontexte, die Voguing geschaffen hatten. In den frühen 2010er-Jahren erhielt die Szene in einer neuen Generation und weltweiten Community wieder mehr Aufmerksamkeit. 

Mit Vogue Hülshoff öffnen wir den Ballsaal der Burg. Dort, wo der weiße Adel noch bis vor Kurzem residierte, denken wir über Voguing, seine Entstehungsgeschichte, seine Verbindung zu Kunst und zu Literatur nach. Es verbinden sich verschiedene Räume: das weiße Westfalen im Biedermeier und das Schwarze New York der 90er zum Beispiel.

Aus verschiedenen Formaten und aus verschiedenen künstlerischen Perspektiven entsteht eine Session. Mit dabei: Eine Performance durch das House of Mazeltov aus Berlin, Filmdokumente, Video-Lectures, Einzelgespräche und Übungen mit dem Tänzer Keelan Whitmore und der Drag-Künstlerin Lady Liberty Lestrange. Eingeladen haben wir außerdem als Zeremonienmeister Çakey Blond (Thomas Bartling und David Kilinç) und Texte unserer Hofdichterin Gerhild Steinbuch.

Wir posen, schreiten und mimen, und unsere Körper werfen Schatten aufeinander. Oder freuen sie sich einfach nur, endlich wieder hier, in einem Raum, miteinander feiern und ALLES sein zu können?

 

ich steh also so rum und
will was sagen, damit eine
geschichte weitergeht, in
der mein körper auch mal
platz hat, eine geschichte,
die sich nicht anlegt wie
ein sehr schönes sehr luft-
dichtes korsett.

— Gerhild Steinbuch

In this performative performance, we gather different artistic formats that deal with the historical and cultural impact of voguing: moves, gestures, poses. An artistic session and a nice get-together where we, together, dance along, try things out and raise questions about the relationship between the body and the power to act.


Die Veranstaltung rahmt die Sonderausstellung Das Biedermeier-Phantasma | Deep Fake von Burg Hülshoff – Center for Literature, die durch die LWL- Kulturstiftung gefördert wird.

Gefördert im Programm »Global Village Ventures« vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.