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Event

Black Saturday

Fokus Blinde Flecken / Blind Spots Fokus World Wide World

28. November 2020 – 15:00 o clock to 29. November 2020 bis 00:00 o clock

Aufgrund der Pandemie findet die Veranstaltung als Online-Event statt. Wenn ihr euer Online-Ticket erworben habt, sendet bitte eine Mail an ticketing@burg-huelshoff.de und fordert euren persönlichen Link zur Veranstaltung an. Mit diesem könnt ihr vom 28. November ab 15 Uhr bis zum 29. November um 24 Uhr die Audioaufnahmen und Videos ansehen.

Statt des Konsumfeiertags Black Friday feiern wir auf Burg Hülshoff den Black Saturday. Ein digitales Mini-Festival mit Literatur von Künstler*innen of Color. Mit Lesungen, Diskussionen, Musik und Performance.

von und mit:
Ramy Al-Asheq
Lubi Barre
foundintranslation (Tomás Cohen und Nefeli Kavouras)
Angélica Freitas
Anja Golob
Jonis Hartmann
Medard Kabanda
Dorothy Namusisi
Marko Pogačar
Tarik Tesfu
Jackie Thomae
Marshall Vincent
Olivia Wenzel
mit Jugendlichen des Projekts WeDentity (von David Kilinc, Emmanuel Edoror, Cornelia Kupferschmid und Albert Ruppelt)

In Annette von Droste-Hülshoffs Prosafragment Bei uns zulande auf dem Lande taucht ein Mann »in Scharlachlivree, von sehr dunkler Gesichtsfarbe« auf der Landstraße auf. Der Erzähler kennt dazu nur eine sprachliche Reaktion: »ich sagte nichts«. Doch wir wollen etwas sagen. Wir brauchen Worte, um über das zu sprechen, was gerade gesellschaftlich passiert – und was nicht passiert und längst überfällig ist. Und wir brauchen einen Wechsel der Perspektiven.
Auf Hülshoff versammeln wir deshalb in einem digitalen Mini-Festival Texte und Menschen, die sich damit beschäftigen, was Leben in unserer Gesellschaft für diejenigen bedeutet, die nicht weiß sind. Es geht um die Aufarbeitung von Rassismus und Kolonialismus. Es geht um Zusammenleben. Künstler*innen of Color, die in Deutschland geboren wurden oder hier leben, lesen und performen, bringen an diesem Black Saturday Poesie, Pop, Politisches und Trallafiti von der Burg ins Netz.

 

Wie die meisten meiner Freunde hielt ich mich für farbenblind, niemand scherte sich groß um Hautfarben. Dieses Sich-nicht-Scheren war eine Behauptung, mit der wir uns so wohl fühlten, dass wir ein paar kurze Jahre glaubten, die ganze Welt stünde kurz davor, so zu denken wie wir. Wie überschaubar diese Welt war, fiel uns erst viel später auf.

— Jackie Thomae, Brüder

Dabei gibt es Lesungen der Schriftstellerinnen Jackie Thomae, Olivia Wenzel und Lubi Barre. Ihre Texte drehen sich um das große Ganze und um kleine Details in den strukturellen Fragen von Körperfarbe und Diskriminierung.
Nach den Lesungen vertieft Tarik Tesfu (Content Writer, Moderator, Feminist und auch ansonsten Gutmensch) diese Themen im Gespräch mit Jackie Thomae und Olivia Wenzel.
Die Afrika-Kooperative Münster schenkt uns eine Buchbesprechungsrunde: Dorothy Namusisi und Dr. Medard Kabanda lesen und diskutieren zwei ganz unterschiedliche Texte: Meine Stimme für das Leben, die Autobiografie von Denis Mukwege, konogolesischer Arzt und Friedensnobelpreisträger, und Hey, Muzungu!: Reisenotizen aus Uganda des Deutschen Norbert Weber. So bespiegeln sich verschiedene Versionen des afrikanischen Kontinents, der Rolle der Frauen, der Wunden der Vergangenheit und der Vorstellungen für eine lebenswerte Zukunft.
Außerdem bringt uns das Hamburger Kollektiv foundintranslation eine seiner bekannten mehrsprachigen Lesungen mit. Zwei Mitglieder der Gruppe (Tomás Cohen und Nefeli Kavouras) und vier weitere Autor*innen (Ramy Al-Asheq, Angélica Freitas, Anja Golob, und Marko Pogačar) lesen. Sie schreiben teils in deutscher Sprache, teils in anderen Sprachen. Wieder einmal stellen foundintranslation so die Frage nach der Zukunft von Literatur in einer Gesellschaft der vielen Sprachen.
Außerdem erhalten wir Einblick in die performative Führung WeDentity. In dieser schauen junge Menschen darauf, wie weiß geprägt das ehemalige Privatmuseum der Familie Droste-Hülshoff ist. Gemeinsam schreiben sie den Dingen neue Identitäten zu. Beschreiben sie aus verschiedenen Perspektiven. Angeleitet durch Cornelia Kupferschmid und David Kilinç, fragen die jungen Menschen auch: Müsste die Präsentation in diesem Museum in einer heutigen Gesellschaft nicht ganz anders aussehen?
Zum Abschluss des Black Saturday: Musik! Es spielt Marshall Vincent. Soul, Pop und R&B kommen in seiner Musik ganz organisch zusammen und formen harmonische und zerbrechliche Kompositionen. Doch im Zentrum steht vor allem die einzigartige Stimme des Künstlers. Und die führt uns dorthin, wo Liebe, Depression, Melancholie und Sucht sich überschneiden. Ein schönes und schmerzhaftes Ende dieses digitalen Mini-Festivals.

Black Saturday is a digital mini-festival with literature by artists of color. With readings, discussions, music and a performative tour, we will approach the question of what life in our society means for those who are not white using all of our senses.


In Kooperation mit der Afrika-Kooperative Münster e.V.
Black Saturday wird gefördert im Rahmen von Und seitab liegt die Stadt – ein Projekt der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (Förderprogramm »Kultur in ländlichen Räumen«) und des Literarischen Colloquiums Berlin.