To belong or not to belong?

World Wide World, Care

04. April 2019 bis 06. April 2019

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(c) CfL
Für die Eröffnung wird warme Kleidung empfohlen./For the opening, warm clothing is recommended.
Ein Shuttle-Bus fährt am 4. April um 18 Uhr von Münster [Von-Vincke-Straße 4] zur Burg Hülshoff./A shuttle bus will travel from Münster [Von-Vincke-Straße 4] to Burg Hülshoff at 6:00 pm on April 4.

Vortrag – Lesung – Performance – Installation – Gespräch – Konzert

4. bis 6. April 2019, Burg Hülshoff und Haus Rüschhaus

in Kooperation u.a. mit der Kunsthalle Münster

In ihrer Schrift Jetzt schreibt das französische Kollektiv Unsichtbares Komitee mit Bezug auf die aktuellen nationalistischen Bestrebungen:

Überall verspricht man also, die verlorene Einheit gewaltsam wiederherzustellen. Nur, je mehr man ‚spaltet‘ und gleichzeitig über das ‚Zugehörigkeitsgefühl‘ schwadroniert, desto mehr breitet sich die Gewissheit aus, bei all dem nicht dazuzugehören.

Also:

To belong or not to belong?

Unter diesem Titel sprechen wir. Über die Rolle(n) von Kunst und die Verantwortung der Zivilgesellschaft angesichts globaler Migrationsbewegungen und neuer Mauern. Darüber, wieso manche dazugehören sollen und andere nicht.

Doch was heißt Zugehörigkeit überhaupt? Und wieviele Worte gibt es für Migration? Migrieren Menschen der zweiten oder dritten Generation auch noch? Sind Stadt- oder Landflucht auch Wanderungen? Welche Ängste und Hoffnungen sind mit beiden verbunden? Wie kann Sprache wandern, anstatt Mauern zu akzeptieren – oder gar zu ziehen? Muss zeitgenössische Kunst auf gesamtgesellschaftliche und weltpolitische Entwicklungen überhaupt reagieren? Oder sollte sie sich lieber auf beispielhafte Alltagsphänomene, auf private Erfahrungshorizonte konzentrieren?

Die literarische Denkfabrik ermöglicht ein offenes Gespräch – in Diskussionspanels und Arbeitsgruppen. Impulsvorträge, Lesungen, Installation und Textkonzert bringen weiteren Input.

To belong or not to belong? lädt alle ein, mit zu sprechen und nachzudenken. Es werden Positionen formuliert: gemeinsame wie gegensätzliche. Die Denkfabrik will Dinge klären. Aber nicht final und eindeutig, sondern so temporär und vielschichtig, so lustvoll und spielerisch wie nur möglich.


Mit u.a. Max Czollek, Afsane Ehsandar, Bernadette La Hengst, Fabian Lettow (kainkollektiv), Thomas Köck, Maria Milisavljevic, Nástio Mosquito, Özlem Özgül Dündar, Sandra Richter, Ivana Sajko, Miroslava Svolikova, Gerhild Steinbuch, Bernhard Studlar und dem Kollektiv foundintranslation.

A conference that asks: Why some belong and others do not? Nearly 30 artists working in the field of literature and other genres discuss this topic with each other and the audience. They will discuss the role of art in light of global migration movements and new walls. They will discuss the idea of responsibility within civil society. And they will discuss the nature and means through which language has always migrated.

04. April 2019 – 19:00 Uhr

 

Burg Hülshoff

Intro Means: Come In

Jörg Albrecht, Thomas Köck und Gerhild Steinbuch
(Nazis & Goldmund)

Talkrunde

Sophia Kisfeld (CfL) spricht mit Prof. Dr. Peter Funke (Vorstand Droste-Stiftung) und Matthias Löb (Kuratoriumsvorsitzender Droste-Stiftung, LWL-Landesdirektor)

Wie Literatur aus Übersetzungen entsteht

Sandra Richter

Wie wohl jede Literatur kam auch deutschsprachige Literatur nicht allein. Sie war und ist Teil eines Gesprächs, das Grenzen überwindet und sich mitunter sogar über den Erdball spannt. Dabei ist die eine Sprache nur ein vorübergehender Zustand. Übersetzen erscheint als wesentliche literarische Tätigkeit, als produktiver Akt des Aneignens. Doch was geht beim Übersetzen verloren, was kommt hinzu? Und wenn die Literatur durch verschiedene Sprachen wandert: Was bedeutet es dann als Schreibende, sich einer bestimmten Sprache zugehörig zu fühlen? Wie spiegeln sich gesellschaftliche Asymmetrien? Ist der Norden auch in der Literatur mächtiger als der Süden? Prof. Dr. Sandra Richter, Leiterin des Deutschen Literaturarchivs Marbach, befragt die vielfältigen Verbindungen von Sprache und Zugehörigkeit.

In englischer Sprache mit Übertiteln.

To Whom Belongs The Red Dusk Of The Southern Seas?

Ivana Sajko

Wir sprechen über Zugehörigkeit, als wäre es eine Frage der Wahl, als wäre das Gefühl, dazu zu gehören, ein Grundrecht, als ob alle wählen könnten, wohin oder zu wem sie gehören. Und, ja, unser Zugehörigkeitsgefühl ist eine sehr intime Empfindung, es verleiht uns die Freiheit, uns mit einem bestimmten Zusammenhang tief verbunden zu fühlen, mit einer bestimmten Stadt oder Straße, mit einer bestimmten Landschaft oder mit der roten Abenddämmerung in der Südsee. Jede*r kann solche Verbindungen spüren, aber kann die rote Abenddämmerung in der Südsee wirklich allen gehören – oder nur den Privilegierten?

In kroatischer und englischer Sprache mit Übertiteln.
Übersetzungen: Dora Benc und Alida Bremer

Be.Sessions

Nástio Mosquito

Wie wenige andere geht Nástio Mosquito zwischen Videokunst, Poesie, Performance und Musik hin und her. Immer wieder fragt er, wie Sprache der Unterdrückung (zwischen Einzelnen und zwischen Nord- und Südhalbkugel) entgegentreten kann. In feinsinnig-brachialen Speeches lässt er so unsere Welt aufscheinen, die längst mehr als nur eine ist.

 

English Version

Intro Means: Come In

Jörg Albrecht, Thomas Köck und Gerhild Steinbuch
(Nazis & Goldmund)

Talk

with Sophia Kisfeld (CfL), Prof. Dr. Peter Funke (Management Board Droste-Stiftung) and Matthias Löb (Chairperson of the Curatorial Board Droste-Stiftung, Director of the Regional Association of Westphalia-Lippe)

How Literature Is Created From Translation

Sandra Richter
Like all literature, German-language did not emerge from a vacuum. It was and is part of a language that transcends boundaries and has thus extended itself around the world. In doing so, however, an individual language is only a temporary condition. Translation seems to be an essential literary activity, a productive act of acquisition. But what is lost in translation and what is found? And if literature migrates through different languages, what does it mean for a writer to feel as though they belong to a certain language? How are societal asymmetries reflected? Prof. Dr. Sandra Richter, director of the German Literature Archive in Marbach, questions the diverse associations of language and belonging.

In English with subtitles.

To Whom Belong The Red Dusk Of The Southern Seas

Ivana Sajko
We speak about belonging as if it were a question of choice, as if the sense of belonging were a basic right, as if everyone could decide where to belong to. And indeed, the sense of belonging is a deeply intimate feeling, it is our freedom to experience that profound connection to a certain context, to a certain city or street, to a certain landscape or some red dusk of the southern seas. Everyone can feel these kinds of relations, but can the red dusk of the southern seas really belong to everyone or just to the privileged?

In Croatian and English with subtitles.
Translations: Dora Benc and Alida Bremer

BE.SESSIONS

Nástio Mosquito
Mosquito’s work moves between the genres of video art, poetry, performance and music like very few others. In doing so, he continually investigates how language can work against repression (between individuals and between the northern and southern hemispheres). In subtle yet brutal speeches, he conjures up our world which has long since become more than just one.

  • Ort: Burg Hülshoff
  • Sprache: In deutscher, englischer und kroatischer Sprache mit Übertiteln./ English, German and Croation with surtitles.
  • Barrierefreiheit: Die Veranstaltung ist barrierefrei./The event is suitable for wheelchair users.

05. April 2019 – 10:00 Uhr

 

Haus Rüschhaus

ab 10 Uhr: Pferde/Erde/Herde

Während der jüngsten Hitzeperiode wurden 60 tote Pferde im australischen Hinterland aufgefunden – zusammen verdurstet an einer Wasserstelle, die keine Wasserstelle mehr war. Ausgehend von diesem Ereignis fragt dorisdean, das post-inklusive Performancekollektiv: Wer gehört zur Herde? In unseren Zeiten scheint jemandes Besitz zu sein eine verlässlichere Überlebensstrategie, als wild und unabhängig zu sein. Freiheit als Gefahr? Macht nur die eigene Nutzbarkeit uns noch lebenswert?

10 Uhr: Missing Documents/Finding Documents #1

Jörg Albrecht, Thomas Köck und Gerhild Steinbuch
(Nazis & Goldmund)

10. 15 Uhr: Feld 1: Der Globus bewegt sich – und die Begriffe auch?

Inputs und Tischgespräche
Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs ist die Welt globaler geworden. So wird es zumindest gesagt. Aber was genau ist denn nun globalisiert worden? Die Wirtschaft? Die Menschenrechte? Oder nur die Sphäre der Daten? Mit der Ausdehnung der EU und dem Aufblühen der Städtepartnerschaften schien die Welt zumindest aus der beschränkten europäischen Perspektive offen und zugleich kleiner. Der liberale Westen wollte Vorbild für alle sein. Doch dann kamen: der 11. September 2001 und die ihm folgenden Kriege – das Scheitern des Arabischen Frühlings – die Finanzkrise von 2008 – der Aufstieg des sogenannten IS – und das Wiedererstarken des Rechtsextremismus in zahlreichen Ländern. Das Bild des unzerstörbaren freien Westens ist mehr als angekratzt. Im Diskussionsfeld 1 geht es darum, wie wir über diese Welt nachdenken können. Wanderungen fordern auch unsere Sprache heraus. Manche von uns wandern dabei von Kontinent zu Kontinent, manche von Geschlecht zu Geschlecht, manche wandern von einer Gesellschaft in eine andere, ohne sich zu bewegen. Wie können wir über unterschiedliche Migrationen sprechen? Wie sind Wörter neu zu erfinden, um den Diskurs nicht denjenigen zu überlassen, die Wanderung mit Invasion gleichsetzen?

14 Uhr: Feld 2: Mauern aus Fiktionen

Inputs und Tischgespräche
In liberaleren Zeiten empfinden viele Menschen Grenzen ganz allgemein als durchlässiger, in autoritären Phasen werden sie rigider. Auch die Einzelnen sollen sich dann klar abgrenzen: Was ihre nationale Identität angeht, ihr Geschlecht, ihr Liebesleben, ihre Körper. Kunst war immer schon transnational. Sie macht nicht an den Grenzen von Staaten oder Sprachen, von Gattungen oder Medien halt. Und Literatur war immer ein Medium derer, die dazugehörten und zugleich nicht. Texte von Schriftsteller*innen wie Kleist, Büchner, Bachmann, Jelinek zeigen die Kampf- und Trennlinien, die oft genug durch die eigene Familiengeschichte oder durch ihre (Liebes-)Beziehungen verlaufen. Doch so sehr wir Mauern als Fiktionen sehen wollen, umso schwieriger wird es, wenn, wie derzeit, Rechtsextreme Fiktionen an die Stelle von Fakten setzen – und das mit dem Ziel, Mauern zu alternativlosen Fakten zu verwandeln. Also stellt sich die Frage: Vor der Mauer – oder dahinter? In diesem Diskussionsfeld befragen wir die Kraft der Fiktion. Und die Kraft des Faktischen. Wenn beide nicht per se gut oder schlecht sind – wie müssen sie sich verbünden, damit die Nationalsprachen und die Mauern durchlässig werden?

 

Kulturzentrum Baracke

19. 30 Uhr: Gegenwartsbewältigung - Kunst als Symptom und Heilung

Über Zugehörigkeit noch einmal anders denkt Max Czollek nach. Er bringt Fragen und Gedanken aus seiner lustvollen Streitschrift Desintegriert euch mit. Soll Kunst nun die Wunden heilen, die entstehen, wenn jemand sich nicht zugehörig fühlt? Soll sie überhaupt irgendetwas heilen? Oder ist Kunst vor allem Anlass für eine Gesellschaft, Positionen auszuhandeln? Ist sie vor allem Symptom? Avancierte Kunst und gesellschaftliche Minderheiten integrieren sich beide jedenfalls schlecht in eine homogene nationale Volksgemeinschaft. Vielleicht tun sie genau das Gegenteil. Vielleicht desintegrieren sie sich. »Desintegration bedeutet die Anerkennung der Abgründe, die durch uns alle hindurchgehen«, schreibt Czollek. Die Frage ist: Wer liest diese Abgründe? Wer liest welche Gedichte der Romantik und des Biedermeier wie – und aus welcher Richtung? Für wen ist Kunst Ausdruck von Identität – und für wen geht sie über das Identitäre hinaus?

20.15 Uhr: Transkulturelle Gesellschaft - What's Art Got To Do With It?

Maria Milisavljevic, Bernhard Studlar, Max Czollek, Jörg Albrecht; Moderation: Johanna-Yasirra Kluhs (Freie Dramaturgin, Co-Leiterin von Interkultur Ruhr)
Konnte Helmut Kohl noch leugnen, dass die deutsche Gesellschaft auch eine der Einwanderung ist, beschäftigt sich die Öffentlichkeit gerade eher hysterisch mit dieser nicht mehr abzuwehrenden Tatsache. Literatur wanderte aber immer zwischen den Ländern. Und auch ihre Urheber*innen sind oftmals weitgereist – ob durch Lesetouren, Stipendien oder Recherchen – und haben teilweise mehr als einen Lebensmittelpunkt. Damit sind sie aber auch Teil einer (Bildungs-)Elite, die zuletzt von Rechts scharf angegriffen wird, als pars pro toto für eine vermeintlich aus den Fugen geratene Welt. Wie kann Literatur, wie Kunst überhaupt, ein Verständnis für das Wechselverhältnis des Globalen und des ganz Lokalen erzeugen? Was bedeutet es, wenn die einen sich im Globalen zuhause fühlen und die anderen fremd in ihrer Heimat? Wie kann Kunstschaffen nach mehreren Seiten offen und empathisch sein? Wie können die Kräfte von Erzählung, Poesie und Scharfsinn stärker in die Gesamtgesellschaft hineinwirken? Was ist also Kunst in der transkulturellen Gesellschaft? Was kann sie? Was soll sie? Soll und muss sie überhaupt etwas? Und wie schützen wir sie?

21.30 Uhr: Bernadette La Hengst

Zum Abschluss des zweiten Tages gibt es Musik: Bernadette La Hengst spielt ihr neues Album. Und das sagt schon im Titel, dass es nicht im Namen eines Volkes sprechen wird: Wir sind die Vielen. Damit schrieb La Hengst auch die Hymne für DIE VIELEN, eine zivilgesellschaftliche Initiative, die aus der Kunst heraus eine neue Demokratisierung fordert und den Kampf gegen die Rechtsextremen aufgenommen hat. Wie immer bei Bernadette La Hengst heißt Pop auch hier: kritisch,positiv und politisch. Ja. Denn kritisches Denken, Schönheit und Freude an einem guten Leben für alle sind eins. Wir nicken. Wir glänzen.

 

English Version

from 10 am: Horse/Ground/Herd

During the most recent heatwave, 60 dead horses were found in the Australian outback - dead of thirst at a watering hole with no more water in it. Inspired by this event, dorisdean, the post-inclusive performance collective, asks: who belongs to the herd? In our era, being someone‘s possession seems to be a more reliable survival strategy than being wild and independent. Freedom as danger? Is it only our own utility that still makes us worthy of life?

10 am: Missing Documents/Finding Documents #1

Jörg Albrecht, Thomas Köck und Gerhild Steinbuch
(Nazis & Goldmund)

10.15 am: Field 1: The Globe Keeps Spinning - Do Our Concepts, Too?

With Inputs and Table Conversations

The world became more global when the Iron Curtain fell. At least, that’s what people said. But what exactly has become globalized? The economy? Human rights? Or just the world of data? With the expansion of the EU and the flourishing of city partnerships, the world seemed more open and, at the same time, smaller, at least from a limited European perspective. The liberal West sought to be a model for all. But then came September 11, 2001 and the wars that followed it, the failure of the Arab Spring, the global financial crisis of 2008, the rise of the so-called IS and the reinvigoration of right-wing extremism in numerous countries. The image of the indestructible free West has been more than tarnished. In discussion Field 1, we will determine how we can reflect upon this world. Migrations also challenge our language. Some of us migrate from continent to continent, some wander from gender to gender, others shift from one society to another without moving. How can we talk about these different kinds of migration? How can new words be invented to avoid leaving the discourse to those who equate migration with invasion?

2 pm: Field 2: Walls Made From Fiction

With Inputs and Table Conversations

In liberal times, many people find borders in general to be more porous; they become more rigid in authoritarian times. They are also intended to clearly delineate individuals: in terms of their national identity, their gender, their love lives and their bodies. Art has always been transnational. It does not stop at the borders of countries, languages, genres or media. Literature has also always been a medium for those who both belonged and, at the same time, not belonged. Texts by authors such as Kleist, Büchner, Bachmann, Jelinek demonstrate the battle lines and dividing lines that often enough run through the history of one’s family or through their (love) relationships. However, as much as we would like to view walls as fiction, it becomes all the more difficult when, as is the case at this moment in time, right-wing extremists construct fictions in the place of facts – with the goal of transforming walls into facts with no alternatives. And so the question must be asked: in front of the wall or behind it? We will examine the strength of fiction in this discussion field. And the strength of the factual. If both of these things are neither good nor bad per se, how do they need to come together so that the national languages and the wall can become permeable?

Kulturzentrum Baracke

7.30 pm: Coming To Terms With The Present - Art As A Symtom And A Cure

Max Czollek

Max Czollek reflects on the nature of belonging a little bit differently. He brings questions and answers from his exciting book Desintegriert euch (Dis-Integrate Yourselves) Should art only heal the wounds that are inflicted when one feels that they don’t belong? Should art heal anything at all? Or is art primarily an opportunity for a society to negotiate positions? Is it in fact primarily a symptom? Avantgarde art and societal minorities certainly both integrate badly within a homogenous, national community. Maybe they do exactly the opposite. Maybe they dis-integrate themselves. »Dis-integration means recognizing those abysses that run through all of us«, writes Czollek. The question is: who reads these abysses? Who reads which poems from the Romantic and Biedermeier periods, and how and in what direction? For whom is art an expression of identity – and for whom does it move beyond identity?

8.15 pm: Transcultural Society - What's Art Got To Do With It

Maria Milisavljevic, Bernhard Studlar, Max Czollek, Jörg Albrecht; Moderation: Johanna-Yasirra Kluhs
(Free Dramaturg, Co-Director of Interkultur Ruhr)

While Helmut Kohl was still able to deny that German society was also one of immigration, the public now seems almost hysterically obsessed with this fact that can no longer be denied. Literature also migrates between countries. And its authors also often travel extensively, be it through reading tours, grants or while conducting research and many have more than one primary residence. This, however, also makes them part of an (educated) elite that has recently been actively attacked by right-wing extremists as pars pro toto examples of a world that has gone off the rails. But how can literature, how can art itself cultivate an understanding of the reciprocal relationship between the global and the very local? What does it mean when one person feels at home in a global context and another feels like a stranger in their own home? How can artistic creation be open and empathetic to multiple sides? How can the strengths of storytelling, poetry and acumen influence the whole of society more powerfully?
What, then, is art in a transcultural society? What can it do? What should it do? Does it have to do anything? And how do we protect it? The writers Max Czollek, Maria Milisavljevic and Bernhard Studlar discuss these issues with Johanna-Yasirra Kluhs (Interkultur Ruhr) and the Artistic Director of CfL, Jörg Albrecht.

9.30 pm: Bernadette La Hengst

There will be music to bring these two days to an end: Bernadette La Hengst performs her new album. And the album’s name itself states that it does not speak in the name of one people: Wir sind die Vielen (We Are the Many). With this, La Hengst has also written an anthem for DIE VIELEN (THE MANY), a civil society initiative that demands a new democratization arising from the arts and that has begun the battle against the extreme right-wing. As is always the case with Bernadette La Hengst, pop in this case means critical, positive and political. Yes! After all, critical thinking, beauty and the joy of a good life for everyone are one and the same. We nod. We sparkle.

  • Ort: Haus Rüschhaus und Kulturzentrum Baracke
  • Sprache: Englisch und Deutsch mit Übertiteln./English and German with surtitles.
  • Barrierefreiheit: Das Kulturzentrum Baracke ist barrierefrei. Im Rüschhaus ist nur die Sound-Installation barrierefrei./Cultural Center Baracke is suitable for wheelchair users. In the Rüschhaus, only the soundinstallation is suitable for wheelchair users.

06. April 2019 – 11:00 Uhr

 

Haus Rüschhaus

ab 11 Uhr: Pferde/Erde/Herde

Eine Sound-Installation von dorisdean in der Tenne

11 Uhr: Missing Documents/Finding Documents #2

Jörg Albrecht, Thomas Köck und Gerhild Steinbuch
(Nazis & Goldmund)

11. 15 Uhr: Feld 3: Das autoritäre Europa und die Rolle der Intellektuellen - ein Aktionsplan

Inputs und Tischgespräche
Mit Ungarn ging es vielleicht los. Es folgten Polen und weitere Staaten des ehemaligen Ostblocks. Inzwischen sind auch in Österreich und Italien Regierungen an der Macht, die von geschlossenen Gesellschaften träumen. Über die Grenzen politischer Inhalte hinweg verbinden sich autoritäre Herrscher wie Erdogan, Trump und Putin. Es ist an der Zeit, die Rolle der Intellektuellen wieder neu zu begreifen: Wie diesem autoritären Rollback begegnen? Welche Instrumente gibt es? Nachdem die Universitäten umstrukturiert wurden, die Medienlandschaft sich entertainisiert hat und das Intellektuelle als überflüssig und abgehoben stigmatisiert worden ist – wie kann es neu und energisch auftreten? Und können wir nicht auch die kollektive Energie eines Publikums als intellektuelle begreifen? Mit zahlreichen Initiativen wie DIE VIELEN, dem Ministerium für Mitgefühl oder dem European Balcony Project melden sich Künstler*innen zu Wort und gehen in die Aktion: auf die Straße und ins Netz. Welche Themen können wie aufgegriffen werden? Was sind Aktionsformen? Und welche Formen von Empathie entdecken wir erst in diesen Aktionen, wenn alle, die von Rechts aus angegriffen werden, sich vereinigen? Was könnten die Sprachen einer strategisch angelegten Verteidigung der demokratischen Gesellschaft sein? Oder müssen diese Sprachen dem Strategischen lieber entgehen?

 

Atelier 4.1 im Speicher II, Hafen Münster

20.30 Uhr: Hafenlesung - foundintranslation

(Lubi Barre, Tomás Cohen, Annika Dorau, Jonis Hartmann, Hugh James); in Kooperation mit der Kunsthalle Münster
Die Hafenlesung ist eine internationale, mehrsprachige Lesereihe in Hamburg. Sie mischt unterschiedliche Textformen wie Lyrik und Prosa – auch neu zu entdeckende Stimmen mit bereits etablierten. Die Reihe wird von foundintranslation organisiert, einem internationalen Autorinnenkollektiv, bestehend aus Lubi Barre, Tomás Cohen, Annika Dorau, Jonis Hartmann, Hugh James und Nefeli Kavouras. Seit 2014 setzt foundintranslation sich für eine Dynamisierung der Hamburger Literaturszene ein, um sie zu einem Ort der Begegnung neuer Autorinnen unterschiedlicher Nationen und Generationen mit ihrem Publikum zu machen. Diesmal nicht im Nachtasyl des Thalia Theater, sondern im Asyl der Kunsthalle Münster lesen die Mitglieder des Kollektivs. Wir hören Englisch, Spanisch, Deutsch, ein bisschen Māori und ein bisschen Somali.

22 Uhr: #wontbelong

DJ-Set von Jan Kampshoff

 

Englisch Version

from 11 am: Horse/Ground/Herd

A sound installation by dorisdean in the barn

11 am: Missing Documents/Finding Documents #2

Jörg Albrecht, Thomas Köck und Gerhild Steinbuch
(Nazis & Goldmund)

11.15 am: Field 3: Authoritarianism In Europe And The Intellectuals’ Part – A Plan Of Action

With Inputs and Table Conversations

Maybe it all started with Hungary. Poland and additional countries of the Eastern bloc followed. Now Austria and Italy also both have governments in power who dream of closed societies. Authoritarian rulers such as Erdogan, Trump and Putin are coming together beyond the boundaries of political content. It is time to redefine the role of the intellectual: how can this authoritarian rollback be faced? What instruments exist for this? After the universities were restructured, the media landscape converted to pure entertainment and intellectuals have been stigmatized as superfluous and aloof, how can the term be made new and revitalized? And how come we can‘t view collective energy of an audience as intellectual?
With numerous initiatives such as DIE VIELEN (THE MANY), Ministerium für Mitgefühl (Ministry for Empathy) and the European Balcony Project, artists from around the world are speaking up and taking action, both on the streets and online. What topics can be confronted and how can they be? What are forms of action? What forms of empathy do we first discover in these actions when all who have been attacked by right-wing extremists come together? What could be the languages of a strategic defense of democratic society? Or must these languages forego strategy?

Atelier 4 .1 im Speicher II, Münster Harbor

8.30 pm: Hafenlesung (Harbor Reading) – foundintranslation

(Lubi Barre, Tomás Cohen, Annika Dorau, Jonis Hartmann, Hugh James); in cooperation with Kunsthalle Münster

Hafenlesung, or Harbor Reading, is an international, multi-lingual reading series in Hamburg. It combines different forms of text such as poetry and prose as well as newly discovered voices with the already established. The series is organized by foundintranslation, an international collective of authors consisting of Lubi Barre, Tomás Cohen, Annika Dorau, Jonis Hartmann, Hugh James and Nefeli Kavouras. Since 2014, foundintranslation has dedicated itself to a dynamization of the literature community in Hamburg in order to transform it into a place of encounter between new authors from different countries and generations with their audience. This time, the event will not take place in the Nachtasyl bar at Thalia Theater; instead members of the collective will read in the welcoming asylum of Kunsthalle Münster. We will hear English, Spanish, German, a little Maori and a little Somali.

from 10 pm: #wontbelong

DJ-Set from Jan Krampshoff

  • Ort: Haus Rüschhaus und Atelier 4.1 im Speicher II, Hafen Münster
  • Sprache: Englisch und Deutsch mit Übertiteln./English and German with surtitles.
  • Barrierefreiheit: Im Rüschhaus ist nur die Sound-Installation barrierefrei. Das Atelier 4.1 ist barrierefrei./ In the Rüschhaus, only the soundinstallation is suitable for wheelchair users. The Atelier 4.1 is suitable for wheelchair users.

To belong or not to belong? wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.

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