Veranstaltung

Schwan und Barbar (mit Blumen)

Zwischensprachen, Dark Magic, Bibliodiversität

07. September 2018 – 20:00 Uhr

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Im Rüschhaus begegnen sich eine Musik und die andere:

Auf der einen Seite zwei bestechende Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartslyrik, an diesem Abend auf der Bühne als Schwan und Barbar. Auf der anderen Seite: eine Band, die mit Schlagzeug und Synthesizer flirrende und doch eingängige Songs in die Welt bringt, zwischen Feuerwerk und Blumenladen.

Also: Lyrik trifft Lyrics.

Oder: Poesie umarmt Konzert.

 

mein körper hat nichts anderes gelernt / und so umarmt er, was kommt. bewegt sich / auf einer fremden hand als ob auf einer schaukel

— Katharina Schultens

An diesem Abend im Landhaus treffen sie also aufeinander, Herr Gumz/Frau Schultens und Floral Shop. Indielyrik meets Indiemusik.

Katharina Schultens und ihr untoter schwan (kookbooks, 2017) zeigen, wie zärtlich und kompliziert verknüpft unsere Gegenwart ist. Ist es nun die Umwelt, die in diesen Texten auftaucht, oder das radikale Innenleben? Welches Blatt Papier passt zwischen Schwan und Ich? (Und welche Feder?) Genistet wird jedenfalls in (eigenen) Ideen. Und letztlich lösen sich zwischen Drohnen und Drosseln die Dinge auf schönste und manchmal fröhliche Weise auf – um sich gleich auch wieder zu umspielen.

Alexander Gumz schießt aus den Hüften (mit einem lakonischen Colt). In seinem vor Witz strotzenden Band barbaren erwarten (ebenfalls kookbooks, 2018) legen sich statische Städte und dynamische Dörfer übereinander. Verdichtungen werden alltäglich und Alltagssprüche zu Dichtung. Lichterketten sind zum Fressen da, Gefühle stellen sich im Halbkreis auf, und Flugzeuge sollen doch bitte später explodieren. (Genau!)

Beide Lyrikbände sind so präzise, energetisch und verdichtet, mit so klugen und messerscharfen Pointen, wie es deutsche Songtexte oft gern wären.

Die Songs von Floral Shop dagegen sprechen Englisch. Die vier Musiker aus Münster, Mülheim/Ruhr und Köln produzieren ihre Stücke selbst. Zwischen analogen Drums und digitalen Riffs bauen sie einen eigenen, feinen Kosmos. Der klingt mal nach den 1980ern und mal nach den 2010ern. Von offensiven, Pop-versierten Stücken kippt es in mysteriöse, dunklere – und dann wieder ganz woanders hin. Igor Franjics Stimme, ihr melancholischer Soul, mischt sich ins Spiel der Harmonien. Zusammen sind sie Musik als Poesie.

Oder andersrum: Why not say poetry is a party?

 

auf diesen partys brauchen unsere sprachen jeden konsonanten. / reservier mir einen mund voll, bitte. // morgen hab ich ihn verschluckt.

— Alexander Gumz