Veranstaltung

nichts, was uns passiert | Still halten

Re:Reading Droste, Care, Poetik des Publikums/Poetics of the public

06. Juli 2019 – 18:30 Uhr

mit
Bettina Wilpert
Jovana Reisinger

Und nun zu dem, was auch zu a woman’s world gehört: Gewalt gegen Körper.

Jovana Reisinger und Bettina Wilpert, beide Jahrgang 1989, lesen aus ihren Debütromanen. Beide drehen sich um geschlechtsidentitäre Zuschreibungen, insbesondere an Frauen. Beide drehen sich um den weiblichen Körper in Grenzsituationen. Beide thematisieren Abtreibung, sexualisierte Übergriffe und normierte Schönheitsideale.
Reisingers Roman Still halten erzählt von der zerbrechlichen Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Eine junge Frau macht sich immer wieder auf, um ihre sterbende Mutter im Pflegeheim zu besuchen ‒ schafft es jedoch nie. Sie versäumt die Gelegenheit einer letzten Aussprache. Wie in einem Vakuum gefangen, droht die Protagonistin letztlich selbst an der Situation zu zerbrechen.

In nichts, was uns passiert erzählt Wilpert von den Freunden Anna und Jonas, die schließlich miteinander schlafen. Doch nach der zweiten Nacht berichtet Anna, sie sei von Jonas vergewaltigt worden. Jonas bestreitet das, für ihn war der Sex einvernehmlich. Wilpert hält beide Perspektiven plausibel in der Schwebe und zeigt, welche Auswirkungen die Situation auf das Umfeld der beiden einstigen Freunde hat.

The writers Jovana Reisinger and Bettina Wilpert read from their debut novels. Both are about women in borderline situations. In Reisinger’s Still halten, a young woman tries to visit her dying mother, but is ultimately unable to make contact. She is left behind with a challenging heritage. Bettina Wilpert’s book shows the effects of a sex change on friendships and social surroundings by keeping both perspectives in balance.

 

Anna atmete lang aus und sagte, sie wünschte, es gäbe ein stärkeres Wort als Enttäuschung. Dass sie Jonas zwar von Anfang an ambivalent gegenüberstand, aber dass sie ihn mochte. Vor dem 4. Juli hatte sie ihn geschätzt. Als Menschen. Ihn respektiert. Sie konnte nicht die eine Sache benennen, die am schlimmsten für sie war. Aber es gab doch zwei Dinge. Dass der Täter Jonas war. Natürlich wünschte sie sich keinen anderen Täter. Natürlich müsste ein Täter nicht von Grund auf böse oder gestört sein. Aber niemals hätte sie gedacht, er wäre zu so was fähig.

— Bettina Wilpert

Das Droste Festival 2019 wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW und das Droste-Forum e.V.