Veranstaltung

Karl May zu Gast (Im Kopf, in Wien, in seinem Werk)

Anbauen! World Wide World, Poetik des Publikums

22. September 2018 – 20:30 Uhr bis 21:15 Uhr

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Parallel zu den Lesungen aus Karl MayBüchern wird auch ÜBER ihn gesprochen: Der Sachse, der über den Wilden Westen und den Orient schrieb – zunächst, ohne überhaupt dort gewesen zu sein. Ein Grenzgänger, der im Kopf aus der Provinz ausbrach, um sich ein eigenes Fantasiereich zu schaffen. Und der am Ende darunter litt, »von den eigenen Phantasien heimgesucht zu werden«.

So beschreibt Marcel Beyer diesen Karl May, der sich in seinen Villen namens Shatterhand und Bärenfett die Welt in der Realität nachbaute, die er mit seinen Büchern längst entworfen hatte.

Auch Beyer nimmt uns in diesem Vortrag mit auf eine Reise. Die führt uns in fragmentarische Erzählungen und zu fragmentarisch überlieferten Menschen. Sie erzählt von verpassten Begegnungen und verpassten Verbindungen – zwischen Karl May und Georg Trakl, Rainer Maria Rilke, Rimbaud. Sie streift die Skalpsammlung, die es angeblich im May-Museum gab, und fragt, was an dieser Schriftsteller-Existenz vielleicht selbst »Museum« war: May, verkleidet als Shatterhand. May, verkleidet als Kara Ben Nemsi. May, verkleidet, um so als ganz gewöhnlicher Mann zu erscheinen. Ist das Spektakel nur möglich, wenn es aussieht wie Alltag?

German writer and Georg Büchner Prize Winner Marcel Beyer talks about Karl May; this man from Saxony who wrote about the Wild West and the Orient without having been there – until shortly before his death. Did May fictionalize reality, or rather de-fictionalize his own fictions to make them seem more authentic – and himself, too?


SCHAUSTELLEN! wird gefördert durch die Kunststiftung NRW.