Veranstaltung

Insektometrie

Anbauen!

13. September 2019 – 15:00 Uhr bis 21:00 Uhr

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(c) Natalie Lindner

Bildschirme zeigen Ameisen bei der Arbeit. Aus Lautsprechern brummt Musik – ist es Drone Music oder das Summen von Bienendrohnen? Zwischen Hüpfen und Fliegen
geht es hin und her und hin. Es krabbelt, kribbelt und chiffriert.

Insekten machen Kunst. Aus allen Himmelsrichtungen eilen sie herbei. Termiten, Glühwürmchen, Libellen, Wespen, Flöhe übernehmen das Museum und den Rinderstall der Burg Hülshoff und stellen aus. Sie stellen sich aus – und sie stellen aus, was wimmelnde Natur im 21. Jahrhundert noch bedeuten kann. Von wegen „ein großer Seufzer die Natur“ (Droste-Hülshoff)!

Die Körper der Insekten sind in Sektionen aufgebaut. Daher haben sie ihren Namen. Doch was ist zwischen den Sektionen? Intersections? Und wie intersektional müssen wir denken, um Ökologie im Erdzeitalter namens Anthropozän zu begreifen?

Dass wir die Perspektive ändern müssen, ist klar, denn der sogenannte Humanismus übervorteilt seit jeher sehr viele Lebewesen. Wo mit Humanismus in erster Linie das Recht des weißen Mannes gemeint ist, in einer Hierarchie der Gattung alles auf diesem Planeten zu verwerten, sind seine Tage gezählt. Nun, da er begonnen hat, sich selbst zu gefährden, treten seine jahrhunderte alten Anmaßungen mit aller wünschenswerten Deutlichkeit hervor.

Zusammen mit den sechsbeinigen Mitbewohner*innen der Erde bauen fünf Künstler*innen ganz ohne Seufzen und Ächzen ein neues Museum der Natur.
Die Lyrikerin Monika Rinck tut es mit Poesie; der Musiker Phill Niblock mit Akkorden, die in die Ewigkeit reichen (und in die Magengrube); die Videokünstlerin Katherine Liberovskaya stellt Überwachungskameras auf und filmt das beflügelte und krabbelnde Leben; und von der Choreografin Rosalind Goldberg und vom Bildenden Künstler Michael Graessner stammen riesige Insektenlarven aus Wachs.

Kommen Sie herein! In diesem Museum werden all diese Fragen beantwortet und mit allen Sinnen gestellt. Sie können schauen. Sie können hören. Sie können fühlen, riechen, schmecken, berühren. Sie können Dinge formen und zerstören. Sie können tanzen.

Insektometrie will receive its world premiere during the festival Natur am Bau (Constructing Nature/Nature at Work). For a few days, you will experience the museum at Burg Hülshoff very differently: there, insects make art. The poet Monika Rinck and additional artistic col-leagues have invented a museum that brings together insections and intersectionality. After all, how else can we reflect upon the future of the planet? And where else if not in a museum that stimulates all of our senses?


Anbauen! wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und die Kunststiftung NRW. Das Projekt ist Teil des Jubiläums-programms 100 jahre bauhaus im westen des Ministeriums für Kul-tur und Wissenschaft des Landes NRW, des LWL und des LVR.