Veranstaltung

Dienstbare Geister

Zwischensprachen, Dark Magic, Blinde Flecken

07. Dezember 2018 – 19:00 Uhr bis 22:00 Uhr

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(c) Titus Maderlechner
Talk im Anschluss an das Screening!

Wir weisen darauf hin, dass im Rahmen des Stücks historische Dokumente zu hören sind, die sich rassistischen Vokabulars bedienen.

We kindly inform you that this work involves historical documents containing racist vocabulary.


2015 bricht ein junger Mann aus Kamerun Richtung Deutschland auf. Er sieht für sich keine Alternative zum reichen Europa. Durch beharrliche Selbstausbeutung erkämpft er sich in Berlin schließlich eine feste Stelle. Zunehmend verliert er die Verbindung zu seiner Heimat. Aber eines Tages soll er seiner Chefin einen Dienst erweisen und gegen seinen Willen einen Auftrag in Kamerun übernehmen.

1905 verlässt eine mittellose junge Frau Berlin und wandert in die deutsche Kolonie Kamerun aus. Ihr sozialer Aufstieg geschieht auf Kosten der einheimischen Nachbarn und Bediensteten, die beharrlich und vergeblich Widerstand gegen die Deutschen leisten – unter anderem gegen Landraub und Zwang zur Arbeit mit der Peitsche.

Dienstbare Geister von Paul Plamper erzählt von diesen beiden Migrationsbewegungen, die gegeneinander laufen, während ihre Geschichten sich ergänzen. Europas Kolonialgewalt und die Folgen als Parallelmontage. Das Stück entstand sowohl als Version für den Rundfunk als auch als Installation.

Die setzt die beiden Stränge (1905 – 2015) in zwei unterschiedliche Räume im Rüschhaus. Der eine Raum ist leer. Der andere, das Italienische Zimmer, tapeziert mit Reisefantasien aus dem 19. Jahrhundert. Das Publikum teilt sich und wechselt nach dem ersten Durchlauf den Raum, um die andere Zeitebene zu hören. Doch eine Ebene durchdringt die andere: Die Kolonialzeit greift ins Heute, und umgekehrt hören wir in der Kolonialgeschichte Vorboten einer Zukunft, die an heute erinnert.

 

Wenn wir ein lenkbares Luftschiff besessen hätten, das den Gegner unerreichbar umkreiste, seine Stellung erkundete, von oben in sein Lager schoss und durch sein Erscheinen allein schon Schrecken verbreitete. Wir haben oft davon gesprochen, von dem lenkbaren Luftfahrzeug, was uns damals wie ein fantastisches Bild von der fernen Zukunft erschien. Wenn uns ein Genie diesen Traum der Menschheit verwirklicht, wie mochten sich die Kriege gegen wilde Völker vereinfachen!

Paul Plampers Hörspiele, Installationen und Inszenierungen verquicken immer akribisch Recherchiertes und realistische Fiktionen, Inszeniertes und Improvisiertes. In Dienstbare Geister schafft er es gemeinsam mit den Schauspieler*innen, scheinbar Fernliegendes, Historisches nah an uns heran zu holen. Die Sprache des 19. Jahrhunderts trifft auf das Sprechen im 21. Jahrhundert, doch hier wie dort treffen wir auf Verstrickungen in etwas, das mit dem Begriff Rassismus nicht annähernd benannt werden kann.

In his audio installation and radio play Dienstbare Geister (Subservient Ghosts), Paul Plamper contrasts two stories: In 2015, a young man from Cameroon migrates to Germany and tries to build a new life. In 1905, a young woman leaves Berlin for German colony Cameroon and experiences what colonialist suppression means in the natives’ everyday lives. Plamper’s installation sets these two parts into two rooms in the Rüschhaus. The audience can listen to both, one after the other. But both layers of history mesh. They meet where a phenomenon called racism raises its ugly face. The audio play is produced in German, French and Bayangam with German, English and French surtitles.

Sprecher*innen: Sandra Hüller, Olivier Djommou, Fabian Hinrichs, Cristin König, Richard Dijf u.v.a.
Konzept / Buch / Regie: Paul Plamper
Mitarbeit Konzept, Recherche, Kolonialgeschichte und Raum: Jelka Plate
Dramaturgie / Redaktion: Martina Müller-Wallraf
Dramaturgische Beratung: Richard Djif , Péguy Takou Ndie
Casting: Elise Graton
Mitarbeit Casting: Richard Djif , Péguy Takou Ndie
Schnitt: Paul Plamper, Elena Zieser , Hans Broich-Wuttke
Aufnahmen: Titus Maderlechner
Sounddesign / Mischung / Mastering: Titus Maderlechner
Regieassistenz: Elena Zieser , Hans Broich-Wuttke
Übersetzung ins Deutsche: Paul Plamper , Elena Zieser
Übersetzung ins Französische: Elise Graton
Übersetzung ins Englische: Ben Fergusson
Übertitelung: Leonard Prandini
Musik: Schneider TM , Hakali Ensemble
Produktionsleitung: Christine Nicod


Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks in Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk, Deutschlandfunk Kultur, dem Mitteldeutschen Rundfunk und der Ruhrtriennale. Gefördert durch die Film- und Medienstiftung NRW.