Veranstaltung

Das Biedermeier-Phantasma #2: Zimmerfluchten

Blinde Flecken/Blind Spots, World Wide World, Dark Magic

14. Juli 2019 – 11:00 Uhr bis 15:00 Uhr

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(c) Lennart Lofink

mit
Manuel Gogos
Daniel Laufer
Janne Nora Kummer, Fabian Raith, Leoni Voegelin (M.A. Spiel und Objekt der Hochschule für Schauspiel Ernst Busch Berlin)

Im zweiten Teil der Reihe Das Biedermeier-Phantasma geht es um Zimmerreisen und -fluchten. Und Fluchtpunkt ist hier die Zukunft des Droste-Museums auf Hülshoff. Denn das Museum wird sich, wie die gesamte Burg, in den kommenden Jahren stark verändern. Schauen wir zusammen, wohin es gehen könnte. Dazu nutzen wir – wie immer – die Künste.

Erstens: bewegte Bilder. Der Künstler Daniel Laufer dreht Filme, in denen es um die Wahrnehmung selbst geht, konkreter: darum, wie wir Räume wahrnehmen. Die Personen in den Filmen schauen durch Fenster und auf Tapeten oder Teppiche, und gemeinsam mit ihren Gedanken wandern unsere Blicke. Timeline seine neueste Zimmerreise, wurde teilweise auf Burg Hülshoff gedreht und bewegt sich durch Zeiten und Orte. Neben den Räumen der Burg werden Kalksteinhöhlen in Israel durchquert und zwischendurch schäumt die lettische See. Im Rahmen des Biedermeier-Phantasma präsentiert Daniel Laufer Timelime erstmals auf der Burg.

Zweitens: Tonspuren. Zwei Audio-Tracks von Manuel Gogos, Feature- und Filmemacher, führen Sie durchs Museum. In Reise um den Tag in 80 Welten macht er sich Gedanken über das Neo-Biedermeier unserer Jahre. Und in einer Zimmerflucht schickt er Sie, das Publikum, in die Indische Landschaft, die Annette von Droste-Hülshoff mit Scheren in Papier schnitt. Dieses Kunstwerk befindet sich allerdings gerade in der Wanderausstellung Sehnsucht in die Ferne. Also tun wir was, um sie zu sehen? Den Tonspuren lauschen. Und unsere Fantasie spielen lassen.

Und drittens wird gespielt. In einem Game Jam schlagen Janne Nora Kummer, Fabian Raith und Leoni Voegelin mit Ihnen gemeinsam Schneisen durch die gegenwärtige Ausstellung – hin zu einem neuen Museum. Mithilfe digitaler Mittel können wir uns die Objekte im Droste-Museum ganz anders anschauen. Wir sehen mehr, sehen anders, hören anderes. Und so wird zwischen Zimmern aus Teppichen, Kommoden, Klavieren, Vorhängen, Dielen die Zukunft erlebbar.

 

I wanna dance with some Biedermeier who loves me.

— Annette von Droste-Hülshoff

Biedermeier-Phantasma - was ist denn das?! Im 19. Jahrhundert war das Biedermeier eine Reaktion auf das Ende der Napoleonischen Ära. Der Rückzug ins Heim, ein intensiviertes Familienleben, Kammermusik, Sticken, Nähen – das machte diese Epoche aus.Auch heute führen Globalisierung, Kriege und Flüchtlings-migrationen zu einer zunehmenden Erschütterung der prästabilen politischen Landschaft. Das Krisengefühl ist permanent. Was folgt? Die Furcht vor der Geschwindigkeit des Lebens (wir werden überrannt), vor der Ohnmacht gegenüber globalen Dynamiken (wir werden überlaufen) und vor dem Verlust unserer Privatsphäre aufgrund der Digitalisierung der Welt (wir werden überwacht).

All das führt wieder zu einer Flucht in das Bewährte, – ins private Zuhause. Ein Gespenst geht um in Deutschland, das Neo-Biedermeier. Die Eichenschrankwand ist wieder in, ebenso wie Handarbeit. Die Welt steht in Flammen, und die Menschen spinnen sich ein in ihren Kokon. Die Serie Das Biedermeier-Phantasma klopft mit dem Stimmhämmerchen an diese heile Welt. Samt aller geblümten Tapeten und dekorativen Biedermeiermöbel, aller Ritterrüstungen und überdimensionierten Wappen öffnet sich Burg Hülshoff mithilfe ganz unterschiedlicher Künstler*innen einer Befragung der eigenen Geschichte, der eigenen Prämissen und der eigenen Phantasmen. Und Phantasma heißt zwar im Denken Europas »inneres Vorstellungsbild«. Woanders aber (etwa in México) ist das Phantasma ganz einfach – ja! –: Gespenst.

In the series The Biedermeier Phantasm, we examine how we react to changes in the world: do we retreat to the private sphere or do we come to terms with things? In the second part, we will jump right into the middle of the Family Museum in Burg Hülshoff. An in-house produced film, two audio tracks and a game jam allow us to compare the Biedermeier of back then with the Biedermeier of today. We will travel through rooms and walk along suites of rooms. Where will we end up?


Die Reihe Das Biedermeier-Phantasma wird kuratiert von Jörg Albrecht und Manuel Gogos und ist eine Produktion von Burg Hülshoff – Center for Literature. Die Konzeption der Reihe wurde ermöglicht durch eine Förderung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW.