Veranstaltung

Dark Light Dark

Blinde Flecken/Blind Spots, Re: Reading Droste

06. Dezember 2018 – 18:00 Uhr
06. Dezember 2018 – 20:00 Uhr

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Willkommen im Droste-Museum. Hier, wo tagtäglich das Familienleben des Biedermeier ausgestellt wird, wechseln wir jetzt die Perspektive. (Und wissen danach vielleicht nicht mehr, von welchem Platz aus wir jetzt sehen. Wissen aber vielleicht besser, von wo aus wir vorher sahen.)

Olivia Wenzel, Autorin, und Julia Lerch-Zajączkowska, Kuratorin, nehmen uns mit auf eine performative Tour. Anlass ist (wie schon im Junge Burg-Projekt Mein Prinz) ein Gemälde im Gartensaal: Ein dunkelhäutiger Mann mit Turban führt ein Pferd, im Hintergrund sind Pyramiden zu sehen.

Was verrät dieses Bild über die Art, wie im 19. Jahrhundert die Bewohner*innen auf Hülshoff die Welt imaginierten? Inwieweit waren diese Phantasien Teil eines kolonialistischen Europas? Haben solche und ähnliche Bilder zur visuellen Vorbereitung rassistischer Weltsichten beigetragen? Oder waren sie ihr Resultat? Und hat das irgendetwas mit Annette zu tun? Wo ist denn bloß Annette?

Wenzel und Lerch-Zajączkowska schlüpfen in die gigantischen Pantoffeln Hülshoff’scher Vergangenheiten und streifen darin durch ihre museale Gegenwart. Exotische Deosprays und geheime Abstellkammern, verschimmelte Äpfel und mysteriöse Teppichmuster rücken in den Blick. Objekte und Erzählungen, die bisher unsichtbar, aber immer anwesend waren, kommen ans Licht.

Humorvoll und im Bewusstsein, dass Erinnern immer auch Erfinden bedeutet, führen Wenzel und Lerch-Zajączkowska durch eine Dauerausstellung, die schon sehr lange dauert. Und erforschen dabei, was Museum hier eigentlich heißt.

 

More days than not I find myself wondering whether the whole damn project of collecting, displaying, and interpreting culture might just be unredeemable.

— Helen Molesworth, Leitende Kuratorin des Museum of Contemporary Art, Los Angeles

Stellen wir uns vor, wie Objekte im Museum sich fühlen, wenn wir sie anstarren. Stellen wir uns vor, wie Menschen sich fühlen, die als Objekte betrachtet und angestarrt werden. Stellen wir uns vor, wie wir Objekte in Subjekte, und Subjekte in Objekte verwandeln ... vielleicht hilft uns dabei Gesang? Los geht’s!

This is a performative tour. Writer Olivia Wenzel and curator Julia Lerch-Zajączkowska are our guides in the Droste Museum, where the main object is the epoch of German Biedermeier. But within this world, invisible things and narrations are now brought to light. How is 19th century life in the castle connected to European colonialism? How do paintings contribute to racism? Does remembering an event mean fabricating it? Can we communicate with objects in the museum as if they were subjects? Aren’t they subjects? Come with us and explore what makes this museum a museum