Orte

Wie halten Sie es mit den Orten, liebes Center for Literature?

Das Center for Literature hat mit Burg Hülshoff und ihrem gesamten Areal sowie dem Rüschhaus zwei Standorte. Beide sind durch das Leben Annette von Droste-Hülshoffs verbunden: Auf der Burg wurde sie geboren, im Rüschhaus lebte sie (nach dem Tod des Vaters) ab dem 29. Lebensjahr.

Über diese beiden Orte hinaus wird das CfL sich in den kommenden Jahren mitunter auch an andere Stellen bewegen – je nachdem, mit welchen Menschen, Initiativen und Projekten es sich verbindet.

Das Gelände von Burg Hülshoff und das Rüschhaus bespielt das Center for Literature ortsspezifisch. Die Methode, site-specific zu arbeiten, ist aus der Bildenden Kunst und den Performing Arts geklaut. Sie nimmt die authentischen Lebensorte der Droste und die später durch die Familie hinzugefügten Gebäude und lädt sie thematisch auf. In einer solchen ortsspezifischen Inszenierung sind die Burg und alle weiteren Bauten nicht mehr nur authentisch, sondern spielen mit – und gehen so über sich selbst hinaus.

 

Also ist Burg Hülshoff die große Bühne und das Rüschhaus die kleine?

 

Nein.

Doch wenn zum Beispiel 2019 ein Themenschwerpunkt auf dem Zusammenhang von Ökologie und Bauen liegt, wird es zahlreiche Formate geben, die sich zwischen der barocken Parkanlage und der Baustelle in der Vorburg bewegen. Die Villa Schonebeck wiederum, im Jugendstil erbaut, gibt ein ziemlich gutes haunted house ab. Und der historische und inzwischen denkmalgeschützte Melkstand in der Rentei aus den späten 1950ern – warum sollte er uns nicht etwas über Fürsorge erzählen, zum Beispiel über Care-Arbeit kurz nach einem verheerenden Krieg?

Die Veranstaltungen des CfL bespielen die Räume auf Burg Hülshoff und im Rüschhaus also immer wieder neu. Sie tun dies mit Texten, Installationen, Festivals, Ausstellungen zu großen Themen, die schon Annette von Droste-Hülshoff beschäftigten und auch unsere heutige Gesellschaft umtreiben. Die Menschen durchwandern dabei Räume, die durch die Kunst verändert sind; und dieses Durchwandern von Räumen und Themen ist selbst eine individuelle und zugleich kollektive Lektüre von Literatur aus Vergangenheit und Gegenwart. (Und damit ist dieses Durchwandern Teil der literarischen Zukunft.)

Im Rahmen der Festivals werden die einzelnen Geländeteile und Gebäude auch immer wieder temporär umbenannt. Und teilweise wird auch vorübergehend angebaut – mit Zelten, Installationen, Schutthaufen.