(c) Dario Damiano

Mission Statement

Come as you aren’t (yet).

Burg Hülshoff – Center for Literature versteht Literatur als Fest und als Dialog. – Ein Dialog mit den anderen Künsten, mit der Wissenschaft und mit gesellschaftlichen Diskursen, Gruppen und Projekten.

Als interdisziplinäre Institution bringt das CfL die Literatur zusammen mit u.a. Film, Tanz, Musik, Medien- und Netzkunst, Architektur. Als produzierende Institution stiftet es Verbindungen zwischen lokalen, regionalen und internationalen Schriftsteller*innen, weiteren Künstler*innen und dem Publikum.

Publikum und Public Space

Mit unseren Gästen zusammen wollen wir erforschen, was die öffentliche Dimension von Literatur heute sein kann: Wieso überhaupt noch Lesungen? Und – wenn ja – wie genau? Wie können wir die Poesie in Zeilen und Bildern, in Tönen und Körpern, in Bewegungen und in der World Wide World (dem Netz) aufspüren? Wie verändert sich Literatur, sobald wir sie nicht still lesen, sondern eben öffentlich? Was könnte eine Poetik des Publikums und des Public Space sein, des öffentlichen Raums?

Vor zwei Jahrhunderten war Burg Hülshoff nicht nur Geburtsort der großen Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, sondern durch sie auch Geburtsstätte herausragender poetischer Kunst und scharfsinniger Reflexion der Welt. Zu Zeiten der Droste, in den turbulenten Zeiten des frühen 19. Jahrhunderts, diente die Burg noch als Rückzugsraum für die Familie.

Heute, in einer Gesellschaft, die demokratisch und vielfältig ist – und gleichzeitig unübersichtlichen Komplexitäten ausgesetzt –, transformiert sich die Burg zu einem öffentlichen und offenen Ort. Das Center for Literature ist ein Laboratorium, das künstlerische und soziale Prozesse zusammensieht und zusammenzieht.

Bau und Schau

Bis 2022 wird die Burg mit Mitteln des Bundesprogramms Nationale Projekte des Städtebaus zu einer zeitgemäßen Veranstaltungsstätte mit Unterkünften umgebaut. Parallel dazu bauen Team und Publikum im übertragenen Sinn gemeinsam das Center for Literature. Perspektivisch gehört auch ein Droste-Forschungsinstitut dazu.

Wesentlicher Bestandteil des CfL ist eine Kooperation mit der Kölner Kunsthochschule für Medien (KHM). Studierende des Studienzweigs Literarisches Schreiben werden auf die Burg kommen, hier Texte verfassen, Workshops wahrnehmen und gemeinsam mit dem Team der Burg Veranstaltungsformate entwickeln.

Burg Hülshoff und ihr gesamtes Gelände sowie das Rüschhaus, späterer Wohnort der Droste, werden ab Spätsommer 2018 Schauplätze für Performances, Textkonzerte, experimentelle Führungen, literarische Double und Triple Features, Festivals, Konferenzen, Workshops, digitale Erkundungen und vieles mehr. Im Netzwerk mit Literaturhäusern, Museen, Theatern, soziokulturellen Initiativen und Web-Projekten entsteht eine Vielzahl von Formaten, die im deutschen Literaturbetrieb bisher selten vorkommen.

Themen und Denken

Das Center for Literature folgt dabei Themen, die schon Annette von Droste-Hülshoff umtrieben. Dazu gehören: der Unterschied zwischen Stadt und Land; das Schrumpfen und Wachsen der Welt; die Mehrsprachigkeit; die Natur und ihr Wandel; der Glaube; die Fürsorge; die Magie; und einige mehr.

Wir wollen uns aber nicht an die Droste klammern, wollen ihr nicht mit unserer Nähe die Luft nehmen. Wir sind ganz sicher nicht wie die Droste. Aber manchmal, wenn ihre Poesie uns blitzgleich trifft (an Stellen, die wir vorher nicht kannten), sind die Worte der Droste uns für einen Augenblick nah … Und im nächsten auch wieder nicht. Denn es gibt immer eine Lücke, es gibt immer einen Abstand. Solange es diesen Abstand gibt, können wir uns in die Augen sehen.

Also: Es gibt nichts, was schon gewusst werden muss. Es gibt alles zu erfahren – für uns, mit uns, bei uns.

Burg Hülshoff – Center for Literature lädt alle ein, gemeinsam über die Gegenwart nachzudenken – und über die gemeinsame Zukunft. Mal mit Worten aus vergangenen Zeiten. Mal mit Worten, die ganz genau HEUTE, JETZT, HIER sind. Mal mit Worten, die erst noch gefunden werden müssen – irgendwo zwischen denen, die wir schon glauben, zu haben. Denn:

 

„Die Sprache der Welt kann nur die Übersetzung sein.“

— François Jullien