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Die Zukunft des Erinnerns / The Future of Remembering - Diskussion

Blinde Flecken/Blind Spots, Poetik des Publikums/Poetics of the public

13. März 2019 – 19:00 o clock

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© Michaela Melián, 2005

Für sechs Tage öffnet das CfL das Rüschhaus. An diesem Ort, an dem die Droste schrieb, sie wolle erst in 100 Jahren gelesen werden (nicht in ihrer eigenen, beengten Gegenwart), wollen wir über die Zukunft des Erinnerns nachdenken und diskutieren. Für sechs Tage laufen daher Audio- und Videoinstallationen, geben Zeit und Raum, um sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Zum einen ist das Die Quellen sprechen, ein umfangreiches Archiv an Quellen aus der Zeit des Nationalsozialismus, die durch den Bayerischen Rundfunk vertont wurden; Zeitungsberichte, Hilferufe, Verordnungen, Befehle, Tagebuchaufzeichnungen und Privatbriefe.

Sie sind in der obersten Etage des Rüschhaus zu hören, zusätzlich: Interviews von Überlebenden der Shoa und Beiträge von Historiker*innen zur Frage, wie ein solches Projekt umgesetzt werden kann. Im Raum nebenan läuft Föhrenwald, ein Hörstück mit Bildspur der Künstlerin Michaela Melián. Anhand eines konkreten Ortes, der zuerst Zwangsarbeiterlager, später Auffanglager für Displaced Persons war, inszeniert Melián mit Feingefühl Erwachsenen- und Kinderstimmen, lässt sie Berichte von Zeug*innen und Aktentexte nachsprechen, spürt den Widersprüchen dieses Ortes nach.

Am 13. März lädt das Center for Literature Michaela Melián und zwei weitere Expert*innen ein, um über die Frage der Zukunft des Erinnerns zu sprechen.

Die beiden anderen sind: Katarina Agathos, Chefdramaturgin des Bayerischen Rundfunk Hörspiel/Dokumentation/ Medienkunst – die derzeit einen weiteren Teil des Projekts Die Quellen sprechen zur Veröffentlichung vorbereitet; sowie Prof. Dr. Malte Thießen, Leiter des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte; er wird über das umfassende Projekt NS – Topographie berichten, das über GPS Informationen zu einer Vielzahl von Gedenkstätten und weiterer Erinnerungsorte zusammenführen und online abrufbar machen wird.

Als Grundlage der Diskussion läuft anfangs Föhrenwald, anschließend sprechen Agathos, Mélian und Thießen mit den Lesebürger*innen! des CfL und mit Ihnen, dem Publikum.

 

Für die Älteren war Föhrenwald natürlich vor allem ein weiteres Lager. Man wusste nicht, dauert es noch einen Tag oder hundert Tage, dauert es noch ein Jahr oder zehn Jahre. Es gab nichts zu tun. Man hat immer nur auf irgendetwas gewartet, was dann nicht eingetreten ist. Man war immer deprimiert. Es waren ja Überlebende aus den KZs, den Ghettos, den Wäldern.

— aus: Föhrenwald von Michaela Melián

Die Quellen sprechen
Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945
Produktion: Bayerischer Rundfunk zusammen mit dem Institut für Zeitgeschichte München, Berlin

Föhrenwald
Komposition: Michaela Melián/Carl Oesterhelt
Realisation: Michaela Melián
BR Hörspiel/Dokumentation/Medienkunst und kunstraum muenchen 2005


Eine Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk Hörspiel/Dokumentation/ Medienkunst – und mit dem LWL- Institut für westfälische Regionalgeschichte.