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Künstler*in

Boris Nikitin

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© Donata Ettlin

Seit über zehn Jahren verhandelt der Regisseur und Autor Boris Nikitin in seinen Theaterarbeiten die Frage, wie wir Wirklichkeiten und Identitäten herstellen, indem wir sie darstellen. Die Stücke gehen den schmalen Grad zwischen Dokumentarischem und Illusion, zwischen Fakten und deren Inszenierung. Dabei spielen die realen Biografien der Darsteller*innen immer eine besondere, zentrale Rolle. Arbeiten wie Imitation of Life oder Hamlet sind zugleich Porträts der Performer*innen auf der Bühne, die im Laufe eines Abends vor den Augen des Publikums entstehen.
In seinem neuen Stück Versuch über das Sterben vollzieht Nikitin nun einen Seitenwechsel: Zum ersten Mal verhandelt er seine eigene Biografie. Im Zentrum steht dabei die Geschichte der ALS-Erkrankung seines Vaters und dessen offenen Überlegungen, mittels eines assistierten Suizids aus dem Leben zu scheiden. Nikitin verbindet die Geschichte dieses Outings mit der Geschichte seines eigenen Coming-Outs als schwuler Mann vor 20 Jahren. Dabei genügt ihm eine leere Bühne, ein Stuhl und der Text selbst. In diesem reduzierten Setting entwickelt Nikitin einen in seiner Intimtität radikalen Theaterabend darüber, was es bedeutet, den Schritt in die Öffentlichkeit zu wagen.
Versuch über das Sterben ist ein Stück über den Blick der Anderen und über die Utopie einer Verletzlichkeit, die kein Mangel des Menschseins ist, sondern eine revolutionäre Fähigkeit.