Zwischen Verbandswesen und Poesie

06.04.2019 ⋅ von Concha Puente Pueblas Larocque

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Isabel Lipthay las ihren Text *Der Betonmischer* vor. (Foto: Sabrina Richmann)

Im Themenfeld Das autoritäre Europa und die Rolle der Intellektuellen – ein Aktionsplan stellen sich Volker Degener, Sabine Lipan, Isabel Lipthay und Dr. Monika Walther vom Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schrifsteller (VS) am Samstag vor. Der Vortrag – eine Mischung aus nüchterner Schilderung der Verbandsarbeit und Lesungen zweier Texte – ist sowohl sprachlich als auch inhaltlich geprägt von Kontrasten. Die folgenden O-Töne sollen einen kleinen Einblick gewähren:

So klingt Verbandswesen:

„Mit und gegen die Medien“
„bundesweit 15 Unterbezirke“
„…kürzlich in den Bundesvorstand gewählt worden“
„Wir vertreten auch einen gewerkschaftlichen Geist“
„Der Ortsverband in Münster hat sich etwas zum Thema Europa vorgenommen“
„Wir leisten auch Rechtsschutz“
„Das Verhältnis zu Verlagen ist manchmal ein freundschaftliches, oft ein partnerschaftliches und manchmal auch ein kontroverses“
„Die Mitglieder schreiben entweder in deutscher Sprache oder leben in Deutschland“
„Als Autorennetzwerk vertreten wir die Rechte von Autoren“
„Wir sind Mitbegründer des Deutschen Literaturfonds“
„Es ist nützlich sich diesem Verband anzuschließen“
„…von einem Nobelpreisträger übersetzt“
„Ostwestfalen-Lippe, die Diaspora“
„Hardcore Gewerkschaftsarbeit“

So die Texte seiner Schriftsteller*innen:

„Mikrokosmos der Tragödie“
„Die Studenten der Seite des Herzens“
„…bis ein Betonmischer in mein Leben trat“
„Wir Kinder verloren uns in einem Internatslabyrinth“
„Der erste weiße Strich zog sich quer durch einen eiskalten Klassenraum“
„Ich erfuhr von einem Bauarbeiter, der von einem 38 Meter hohem Silo stürzte“
„…und jeder Junge und jedes Mädchen kassierte hämische Kommentare“
„Vor dem Strich hockten die Kinder der parteigetreuen Genossen“
„Wir fragten nicht warum den Männern Arme und Beine fehlten“
„Wir lachten über die Panzer die durch die Straßen fuhren“
„Nur die Beschimpfungen überquerten die Grenze“
„Der Betonmischer roch nach etwas Werdendem“
„Waffen des Gesangs und der Zärtlichkeit“


Concha Puente Pueblas Larocque
Concha ist Master Studentin in ihrem letzten Semester an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Als Migrantin dritter Generation durfte sie sich dank ihrer fünf Namen – ja, einen zweiten Vornamen gibt es auch – bereits unzählige Male der Gretchenfrage „Wo kommst du eigentlich her?“ stellen. Erste Schreiberfahrungen konnte sie während ihrer achtjährigen Tätigkeit für eine Lokalzeitung sammeln. Mittlerweile schreibt sie nicht mehr über die Generalversammlungen wahnwitziger Kleinstadtvereine, sondern über Bücher: Auf #bookstagram rezensiert sie ihre Lieblingsschmöker unter minutiös inszenierten Buchfotos (Stichwort flatlay). Ihre Masterarbeit schreibt sie trotzdem lieber in Film Studies zur Repräsentation von Transfrauen.