Jetzt muss doch mal was getan werden

06.04.2019 ⋅ von Hannah Essing

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Schüler gehen für #fridaysforfuture auf die Straße. Copyright: Unsplash/Mika Baumeister

"Jetzt muss doch mal was getan werden," dachten sich Jonas Lüscher und Michael Zichy und sie riefen zur europaweiten Demonstration gegen Nationalismus auf. Nicht alles lief ganz glatt, erzählt der Schweizer Schriftsteller in seinem Input über Aktionen für ein zukünftiges Europa. Und trotzdem gingen am 13.10.2018 in vielen europäischen Ländern die Menschen auf die Straße, um gemeinsam zu demonstrieren. Natürlich läuft der Vortrag unter einer großen Überschrift: Das autoritäre Europa und die Rolle der Intellektuellen – ein Aktionsplan.

In letzter Zeit wird oft gestreikt: gegen den Rechtsruck, gegen Artikel 13 und für Klimaschutz beispielsweise, mit den #fridaysforfuture. Auch in Deutschland gehen jeden Freitag tausende Schüler*innen und Studierende auf die Straße, verpassen den Unterricht, um etwas viel Wichtigeres zu lernen, nämlich den Wert davon, für etwas zu kämpfen, an das man glaubt. Dafür kann man auch mal Deklinationstabellen und mathematische Gleichungen verpassen.
Ist man bei einer der Demonstrationen dabei – ob nun die Freitage oder die Demonstrationen gegen Artikel 13 – fällt schnell auf, in wie viele junge Gesichter man blickt. Wie viele Teenager kluge und witzige Schilder basteln und dass noch nicht jeder, der in den Protestchor mit einstimmt, schon durch den Stimmbruch gegangen ist.

Jetzt muss doch mal was getan werden: das ist die Meinung von tausenden jungen Menschen, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa. Sie sind nicht bereit, ihre Zukunft zu opfern, auch wenn ganze Nationen gegen sie sind. Auch wenn jeder zweite Facebook-Kommentar Greta Thunberg, die die Freitagsaktion ins Leben gerufen hat, als eine Hochstaplerin bezeichnet, als einen PR-Gag. Auch wenn Politiker gar nicht mehr aufhören können darüber zu reden, dass man Klimaschutz den Profis überlassen sollte. Auch wenn so viele Stimmen behaupten, stur Regeln zu befolgen, wäre wichtiger als für etwas einzustehen.

Was ist die Rolle der Intellektuellen für ein zukünftiges Europa? Zuhören ist jedenfalls ein großer Teil davon. Vor allem denen, die zwar eine Stimme haben – eine laute noch dazu – aber denen trotzdem nicht zugehört wird. Oder denen zu helfen, die ihre eigene Stimme noch nicht gefunden haben.


Hannah Essing
Hannah Essing, ursprünglich aus Essen, hat es zum Studium in die weite Welt gezogen: nach Zypern, Armenien – und Bayern. Inzwischen ist sie zurück in Nordrhein-Westfalen und macht ihren Master in „National and Transnational Studies“ in Münster. Danach hat sie vor, so viele Ecken dieser Welt wie möglich zu sehen, ein Buch zu schreiben und sich einen Hund zuzulegen. Sie schreibt als freie Autorin, spricht gerne im Radio und manchmal macht sie Videos und bloggt. Ihre Lieblingsthemen sind intersektionaler Feminismus, Pop Culture und alle Themen, bei denen beides aufeinander trifft, soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit – dafür schlägt ihr Ruhrpottherz nun schon seit einem Vierteljahrhundert.