Annette von Droste zu Hülshoff

Annette von Droste zu HülshoffAnna Elisabeth Franziska Adolphina Wilhelmina Louise Maria, kurz: Annette von Droste zu Hülshoff, kam laut Eintrag des Vaters in der Familienchronik am 10. Januar 1797 auf Hülshoff zur Welt und wurde dort getauft. Sie war das zweite von vier Kindern ihrer Eltern, des Freiherrn Clemens August von Droste zu Hülshoff und der Therese Luise, geborene von Haxthausen.

29 Jahre lebte sie auf Hülshoff, bis ihr Vater im Juli 1826 starb und der Bruder Werner die Burg übernahm. Annette, ihre Mutter und die Schwester Maria Anna, genannt Jenny, übersiedelten ins nahegelegene Rüschhaus, das der Vater kurz vor seinem Tode gekauft hatte. Annette von Droste-Hülshoff lebte und arbeitete dort von 1826 bis 1846. Unter anderem verfasste die Dichterin im Rüschhaus „Die Judenbuche“,
ihr bekanntestes Werk.

Nachdem sich Jenny mit dem Freiherrn Joseph von Laßberg 1834 verheiratet hatte, besuchte Annette ihre Schwester mehrfach, verbunden mit längeren Aufenthalten, zunächst am ersten Wohnsitz der beiden in der Schweiz, dann am Bodensee. Dort hatte ihr Schwager die Meersburg gekauft. Annette von Droste zu Hülshoff starb hier am 24. Mai 1848 und wurde zwei Tage später auf dem Meersburger Friedhof beerdigt.
Sie gilt als eine der bedeutendsten deutschen Dichterinnen.

In ihrer recht unbeschwerten Jugend auf Hülshoff im Kreise ihrer drei Geschwister wurde das frühreife, eigensinnige Kind von der Mutter gefördert, gerade was das Talent zum Dichten angeht. Sie erhielt denselben Unterricht wie ihre Brüder, um ihre übersprudelnde Phantasie zu bändigen und ihre Talente für Musik und Literatur zu fördern. Ihren Wissensdurst stillten die Bücher der Hülshoffer Bibliothek und der Leihbücherei in Münster.

Schon in ihrer Jugend entstanden erste Gedichte auf Hülshoff (” Auf meiner Heimat Grunde, da steht ein Zinnenbau”), die von der Mutter abgeschrieben und so bewahrt wurden. Als Annette von Droste-Hülshoff später einen großen Westfalenroman begann, der Fragment blieb, flossen in die Rahmenhandlung viele Eindrücke von Hülshoff:

“Ich fahre durch die lange, weite Eichenhalle, wo die Stämme, schlank wie aufgerichtet Anakonden, ihre noch schwach belaubeten Wipfel über mich breiten; ich sehe zwischen den Lücken der Bäume einen weiten Wasserspiegel, graue Türme hervortreten; bei Gott! es war mir doch etwas seltsam zumute, als ich über die Zugbrücke rollte und über dem Tore den steinernen Kreuzritter mit seinem Hunde sah.”

Annette von Droste zu Hülshoff
Wer das Gespenstische und Spukhafte, das in ihrem Werk immer wieder auftaucht, am eigenen Leibe erleben möchte, dem sei ein herbstlicher Spaziergang durch den Burgpark empfohlen – man fühlt sich zurückversetzt in die Zeit der Dichterin; die Zeit des Übergangs von der Romantik zum Realismus. Romantisch an Ihrem Werk sind der Aberglaube und die Stimmungskunst, realistisch dagegen die sachliche Art der Schilderung. In ihrer wohl bekanntesten Novelle, der Judenbuche kommt beides sehr stark zum Ausdruck.